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#11 Gutes Hören im Fokus - Wie sich das Image von Hörsystemen wandelt

Schlechtes Hören beeinträchtigt weit mehr als nur das Sprachverstehen – es kann soziale Teilhabe erschweren, verunsichern und die Lebensqualität deutlich beeinflussen. Trotzdem wird Hörverlust oft lange verdrängt. Die Akzeptanz eines Hörsystems dauert bei vielen Menschen mehrere Jahre, obwohl moderne Hörsysteme heute klein, smart und technologisch hochentwickelt sind.

Warum entspricht das Bild von Hörsystemen noch immer nicht ihrer technologischen Realität und dem, was sie heute für Menschen leisten können? Welche Vorbehalte, Sorgen und Unsicherheiten haben Kundinnen und Kunden auf dem Weg zum ersten Hörtest? Und welche entscheidende Rolle spielen Hörakustikerinnen und Hörakustiker dabei, Vertrauen aufzubauen und Ängste abzubauen?

Tobias Plöger spricht bei Hearing Connects mit Mascha Harder, Senior Marketing Manager, und Diana Beitz, Head of Product & Retail Marketing der Fielmann Group, über Marktforschung, Kundenbedürfnisse und die Frage, wie sich die Wahrnehmung von Hörsystemen in der Gesellschaft verändern lässt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Produktinnovationen, sondern vor allem Empathie, Beratung und die Chance, gutes Hören wieder als selbstverständlichen Teil von Lebensqualität sichtbar zu machen.

Tobias [00:00:15] Schlechtes Hören macht einsam. Das ist einfach so. Und wer nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen kann, weil er immer weniger versteht, wird selbst immer schweigsamer. Und um einen herum wird es zunehmend still. Mit dem Verlust des Hörens steigt die Gefahr an Demenz oder Depressionen zu erkranken und eigentlich ständig müde und gestresst zu sein, weil unser Gehirn permanent ohne Unterbrechung daran arbeitet, fehlende Informationen auszugleichen. Und das ist eben total anstrengend. Deshalb ist es doch eigentlich großartig, dass es Möglichkeiten gibt, einem Menschen, der schlecht hört, wirklich zu helfen. Und dafür sorgen Hörakustikerinnen und Hörakustiker. Für gutes Hören können die eine ganze Menge tun, für das Image von Hörsystem allerdings bislang ziemlich wenig. Und dieses Image ist eher so mittelgut, sag ich jetzt mal. Darüber werden wir reden, hier bei Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger. Danke euch sehr dafür, dass ihr dabei seid.

Was tun für eine bessere Akzeptanz von Hörsystemen? Wer genau sind die Nutzerinnen und Nutzer von Hörsystemen und was bewegt ihre Gedanken? Welche Ängste haben sie, welche Sorgen vielleicht? Um das zu beantworten, haben wir zwei Expertinnen eingeladen. Diana Beitz leitet bei Fielmann das Produktmarketing, unter anderem natürlich auch für Hörsysteme. Und Mascha Harder arbeitet in Dianas Team, entwickelt konkrete Maßnahmen, um dem Thema gutes Hören die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zu verschaffen, die es verdient, aber noch gar nicht hat. Also, erst mal schön, dass ihr da seid heute.

Diana Beitz [00:01:43] Ja, super, dass du uns eingeladen hast. Hi, Tobi.

Mascha Harder [00:01:45] Ist nett hier, danke.

Tobias [00:01:47] Diana, du und dein Team, ihr habt Marktforschung betrieben und eine Studie durchgeführt, um zu ermitteln, wie das Thema "Ich brauche ein Hörsystem" von Menschen wahrgenommen wird. Welche Empfindungen haben sie, wenn sie spüren, dass ihr Gehör nachlässt? Gib uns doch mal einen kleinen ersten Einblick.

Diana Beitz [00:02:03] Vielleicht starten wir einfach damit, was wir im Marketing tun. Wir möchten uns natürlich damit befassen, wie das Thema, du hast es schon erwähnt, Image, beim Kunden wirkt, was die Kundenbedürfnisse sind. Und wir möchten uns auch damit befassen, wie die Kundenbedürfnisse im Zusammenhang mit Fielmann sind. Das heißt, eine Studie machen wir im ersten Schritt. Das ist für uns der Startpunkt, wenn wir anfangen, neue Maßnahmen zu entwickeln. Das bedeutet: Mit der Studie stellen wir den Kunden in den Mittelpunkt und möchten eben wissen, was denken die Kunden über das Thema Hören? Was denken die Kunden über Fielmann im Zusammenhang mit Hören und wie ist eigentlich das Kundenverhalten? Und was uns da relativ schnell und auch klar geworden ist anhand von Kundenstatements, aber eben auch über Bedürfnisse, die Kunden uns wiedergegeben haben, ist, dass Hören einfach ein sehr persönliches Thema ist und ein hoch emotionales Thema. Das bedeutet, dass einfach die Teilhabe am Leben mit dem Hören verknüpft ist. Also wirklich im Restaurant Gespräche zu hören oder eben am Weihnachtstisch Gespräche mitzuhören ist enorm wichtig und das zieht sich durch alle Bedürfnisse durch. Was wir als Zweites mitgenommen haben: Das Hörsystem ist keine stylische Brille oder ein Produkt, was man besonders von außen sieht und dementsprechend ist Hörverlust immer noch mit einem persönlichen Defizit assoziiert.

Tobias [00:03:25] Ein Stigma, kann man das sagen?

Diana Beitz [00:03:26] Man kann sagen, ein Stigma. Ja, also stigmatisiert. Und es wird vor allem noch mit Altern verbunden. Und das haben wir auch deutlich in der Marktforschung gesehen.

Tobias [00:03:34] Dazu eine ganz kurze Frage, Diana, weil du gerade das Thema Alter ansprichst. Ist der Blick auf das Thema Hören bei jüngeren Menschen anders als bei älteren?

Diana Beitz [00:03:44] Also wir sehen zum Beispiel, dass wenn du über 50 bist und merkst, du hast vielleicht schon so ein bisschen Hörverlust, die Akzeptanz fünf bis sieben Jahre braucht. Erst dann befassen sich viele mit der Frage, was kannst du gegen deinen Hörverlust tun? Wenn du unter 50 bist dauert das ungefähr drei bis vier Jahre, das haben wir auch in der Marktforschung gesehen. Also ich glaube schon, dass es was damit zu tun hat, dass je älter man wird und der Bedarf stärker wird, das Thema Hörverlust mit einem persönlichen Defizit verbunden wird und entsprechend auch das Thema Hörsystem weniger relevant ist. Also wenn wir das Thema Hörgesundheit uns anschauen bei Jüngeren, hat man eher das Gefühl, was für seine Hörgesundheit im früheren Alter zu tun.

Tobias [00:04:23] Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass jüngere Menschen schneller ein Hörsystem akzeptieren als vielleicht Lebenserfahrenere. Habt ihr sonst noch irgendwelche Erkenntnisse in dieser Studie gewonnen?

Diana Beitz [00:04:33] Wir haben viele Erkenntnisse natürlich auch zu uns und zu Fielmann gewonnen. Was ich gerade auch gesagt habe, es ist vor allem das Thema Verdrängen, weil man probiert so lange es geht, ohne ein Hörsystem auszukommen und dementsprechend natürlich auch hinauszögert, bis man wirklich zu einem Akustiker gehen muss. Und genau diese Akzeptanzschwelle ist ein wichtiger Punkt, an dem wir als Fielmann und natürlich als Akustiker auch reingehen, dann den Kunden wirklich zu begleiten und an den Ängsten und Unsicherheiten zu arbeiten, diese abzubauen und aufzuklären.

Tobias [00:05:05] Also ich finde diese Ängste, die kann man ja, wenn man auf die Hörgeräte der Vergangenheit schaut, ja durchaus auch verstehen. Noch vor einigen Jahrzehnten waren Hörgeräte groß, sie waren hässlich, sie waren Fleischfarben, sie haben gefiept, aber inzwischen gibt es doch viel diskretere und auch enorm leistungsstarke digitale Hörsysteme. Hat sich dadurch das Image von Hörhilfen nicht verbessert?

Diana Beitz [00:05:26] Also aus meiner Sicht: absolut, du hast recht, die Hörgeräte und Hörsysteme sind viel kleiner, sie sind vor allem auch viel smarter, viel technologischer aufgebaut und können auch viel mehr. Aber genau dieses Thema Image hängt dieser Produktrealität eben noch hinterher. Das heißt, die Aufgabe vom Marketing ist ja genau das zu tun, das Produkt auch sichtbarer zu machen und auch cooler zu machen. Aber wenn die Kunden sich natürlich mit dem Produkt noch nicht so ganz auseinandersetzen möchten, weil sie eben Sorge haben oder auch Ängste haben, sich wirklich inhaltlich damit zu befassen, ist natürlich auch schwer, dieses Image abzubauen. Weil sie sehen ja gar nicht, dass das Produkt auch anders aussehen kann.

Tobias [00:06:02] Wir gehen gleich mal tiefer in das Thema rein und versuchen zu ergründen, was Akustiker tun können, um eben auch zu helfen, das Image von Hörsystemen zu verbessern. Vorher möchte ich aber unseren zweiten Gast Mascha Harder nochmal ganz kurz vorstellen. Mascha, deine Karriere bei Fielmann begann mit einem Hörtest, den du gemacht hast. Wie war denn das Ergebnis?

Mascha Harder [00:06:21] Ich war natürlich erst mal supernervös, weil es war auch ein abgeschlossener Raum. Es hat sich aber sehr schnell gelegt, weil ich einfach auch sehr gut beraten wurde. Und dann war es auch ein gemischtes Gefühl, weil ich sehr viel Musik höre, sehr gerne auf Konzerte gehe, auch sehr viel Musik mit hohen Frequenzen höre. Und das Ergebnis war dann tatsächlich einfach nur altersentsprechend. Das war für mich ein bisschen ernüchternd, weil ich ja dann dennoch erst mal gedacht habe, ich höre doch so perfekt. Wie kann es denn jetzt schon sein, dass ich da nicht irgendwie so 125 Prozent habe oder dass ich tatsächlich schon so minimale Spuren habe, die da auch nicht mehr die Jugend vorweisen, in Anführungsstrichen.

Tobias [00:07:01] (lacht) Und jetzt ist das Thema Hören für dich ein ganz wichtiges auch beruflich geworden. Was fasziniert dich am Thema?

Mascha Harder [00:07:06] Also im Grunde ja, weil für mich ist gesundes und gutes Hören, etwas sehr Selbstverständliches. Ich nutze auch verschiedenste Kopfhörer für verschiedene Situationen. Und dann ist einem intuitiv einfach schon mal klar, dass es je nach Kontext natürlich unterschiedliche Bedürfnisse und Gegebenheiten gibt, mit denen man hören kann oder hören sollte. Und man das aber in seiner Selbstverständlichkeit und in dieser Reinheit dann auch gar nicht weiter hinterfragt.

Tobias [00:07:32] Was genau ist deine Aufgabe bei Fielmann?

Mascha Harder [00:07:35] Also bei uns besteht das Marketing ja wirklich aus mehreren verschiedensten spezialisierten Teams, die unterschiedliche Aufgaben entlang unserer Customer Journey haben. Und bei mir liegt dann auch die Aufgabe, diese strategische Klammer, rund um das Marketing der Hörakustik zu setzen - sprich dann auch die Themen zu positionieren. Wie wollen wir Hörakustik und Hörgesundheit kommunizieren? Welche Geschichten wollen wir hier erzählen und welche Kampagnen und Initiativen wollen wir daraus anstoßen?

Tobias [00:08:04] Okay, dann lass uns jetzt mal versuchen, noch ein bisschen mehr zu erfahren von den Menschen, denen Hörakustikerinnen- und Akustiker in ihren Studios helfen. Könnt ihr das ein bisschen genauer sagen? Wer sind in der Regel diese Kunden?

Mascha Harder [00:08:16] Also im ersten Schritt sind es vor allem Menschen, die sich im ersten Moment noch nicht aktiv damit auseinandergesetzt haben, was das Thema Hören, Hörgesundheit oder Hörverlust bedeutet. Also da muss natürlich im ersten Moment auch erstmal eine Aufklärungsarbeit stattfinden und jemand mental und physisch abgeholt werden. Was passiert mit mir in meinem Kopf, was passiert dann auch körperlich und das sind dann natürlich auch nach wie vor etwas ältere Menschen, die bei uns vor allem sehr gut in der Beratung abgeholt werden.

Tobias [00:08:49] Ja und bei uns speziell kommt natürlich dann hinzu, dass es viele Kunden sind, die uns aus der Augenoptik schon kennen und uns vertrauen. Das ist auch bei manchen anderen Wettbewerbern so, die sozusagen dann über ein zweites Geschäft, wie zum Beispiel die Augenoptik, Kunden einfach auch für die Hörakustik gewinnen. Was sind denn die größten Sorgen von denen, die ein Hörsystem brauchen, aber noch nicht haben?

Mascha Harder [00:09:11] Im ersten Moment ist die Hürde nicht das Produkt, sondern einfach das Gefühl dahinter. Also diese Wahrnehmung, dass man einen Hörverlust hat und diesen erst einmal als Defizit wahrnimmt und dass das Thema dennoch etwas Medizinisches ist. Und dann, wie bereits erwähnt wurde, wir haben natürlich ein gesellschaftliches Bild, was da noch mal hinzukommt, welches negativ konnotiert wird. Und dann ist es ein negatives Grundgefühl, wogegen wir ankämpfen müssen, in Anführungsstrichen, noch bevor jemand überhaupt beim Akustiker war.

Tobias [00:09:42] Wenn jetzt jemand mit einem negativen Gefühl zum Hörakustiker kommt, dann hat er ja bestimmt einen Wunsch, den wir ihm erfüllen können oder sollten, damit er seine Ängste oder da seine Vorbehalte abbaut. Was sind das für Wünsche?

Mascha Harder [00:09:54] Im ersten Moment geht es tatsächlich erst einmal darum, Orientierung zu geben. Sprich: was passiert gerade mit mir? Und dann auch im nächsten Schritt, was sind die Optionen? Weil es für jeden individuellen Menschen natürlich die verschiedensten Möglichkeiten und Optionen gibt, je nachdem in welchem Lebensabschnitt er sich befindet oder wie sein Alltag gestaltet ist. Und das Größte ist aber meiner Meinung nach dann auch der Ansatz, sich ernst genommen zu fühlen. Und dann nicht einfach nur versorgt zu werden, sondern auch begleitet.

Tobias [00:10:25] Ja, ja, ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt.

Mascha Harder [00:10:27] Ja. Das konnten wir auch sehr schön sehen, dass sich das bei unseren Hörakustikerinnen und Hörakustikern dann wirklich jahrelang mitträgt. Und das ist, wenn ich auch mal in der Niederlassung war, auch das Feedback, das ich bekommen habe: "Hey, ich habe seit sechs Jahren meinen persönlichen Ansprechpartner und der hat mich schon durch verschiedene Lebensphasen begleitet." - Dass da schon eine sehr individuelle und persönliche Ebene zwischen Hörakustikerinnen beziehungsweise Hörakustiker und Kunde entsteht.

Tobias [00:10:57] Ich glaube übrigens, dass das genau eine Charaktereigenschaft ist, die für viele Hörakustikerinnen- und Akustiker steht: Diese Empathie, die sie für die Kunden haben. Wisst ihr, wie groß der Anteil der Menschen ist, die zufrieden nach Hause gehen, wenn sie beim Akustiker waren? Und wie viele sich richtig versorgt fühlen?

Mascha Harder [00:11:14] Laut unserer Information sind es wirklich 80-90 % die sich bei uns von unseren Hörakustikerinnen und Hörakustikern gut abgeholt fühlen.

Diana Beitz [00:11:23] Vielleicht noch in Ergänzung dazu, jetzt auch unabhängig von Fielmann, wissen wir, dass die Bindung zwischen Kunden und Akustikern sehr, sehr eng ist, und Kunden, die schon einmal beim Akustiker waren und da wirklich zufrieden sind, auch sehr loyal sind. Also dementsprechend auch sehr selten ihr zweites Hörsystem bei einem anderen Akustiker kaufen würden. Sondern, wenn du zufrieden bist und die Reise einmal gemeinsam gestartet ist, bleiben die meisten Kunden auch bei ihrem Akustiker.

Tobias [00:11:43] Also kann man sagen, das Erstgespräch ist sozusagen echt entscheidend.

Diana Beitz [00:11:46] Absolut. Entscheidend sind die ersten Momente, sich wirklich Zeit für eine genaue Beratung zu nehmen und sicherzustellen, dass das Produkt sitzt und passt. Das heißt, es ist da auch im ersten Schritt gar nicht entscheidend, welche Benefits und Features das Produkt hat, weil das kann der Erstkunde überhaupt noch gar nicht einschätzen. Das kommt dann natürlich sukzessive mit den nächsten Beratungen, mit dem nächsten Produkt, wenn man eben schon das erste Hörsystem hat.

Tobias [00:12:14] Welche Rolle spielen denn bei diesem ersten Termin die Angehörigen?

Mascha Harder [00:12:18] Also, eine supergroße Rolle. Sie geben natürlich einen sehr großen emotionalen und sozialen Halt. Und die Angehörigen sind tatsächlich meistens die ersten, die mit dem Hörverlust nahestehender Personen konfrontiert werden. Und dann sind sie auch meistens der Auslöser, dass man überhaupt zum Hörakustiker geht.

Tobias [00:12:39] Sind dann die Angehörigen möglicherweise auch so was wie ein Schlüssel, um Menschen mit Hörverlust besser abzuholen, wenn es um ihre Einstellungen zum Thema Hörsystem geht?

Mascha Harder [00:12:48] Absolut. Also in den meisten Fällen sind sie wie gesagt der erste Berührungspunkt bei dem Thema. Die Angehörigen setzen sich erstmal damit auseinander: Wie geht man das Thema an? Wie spricht man das Thema an bei der betroffenen Person? Weil es nach wie vor einfach ein sensibles Thema ist, bei sehr vielen Menschen. Und dann ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, dass man eine angehörige Person immer zum Termin mitnehmen kann, was da natürlich auch nochmal Unsicherheiten nimmt. Und dann ist es auch im nächsten Schritt nochmal eine wichtige Frage, ob jemand den nächsten Schritt geht und wie dieser dann auch aussieht.

Tobias [00:13:21] Du hast es eben, als du über deine eigenen Hörgewohnheiten gesprochen hast, Mascha, schon mal selbst dargestellt. Also Musik mit Kopfhörer viel zu laut hören. Das heißt, viele verbinden Hörakustik immer noch mit lebenserfahrenen Menschen. Dabei ist die Grundlage, die für schlechtes Hören gelegt wird, oft schon in der Jugend zu finden oder in jüngeren Jahren, wenn man eben Fehler macht und sein Gehör regelmäßig überlastet. Könnt ihr ein bisschen genauer etwas dazu sagen? Wie denn die Hörgewohnheiten in jungen Jahren das Gehör schädigen und was besonders gefährlich ist.

Mascha Harder [00:13:55] Also grundsätzlich ist es natürlich eine Art jugendlicher Leichtsinn, dass man denkt, da passiert mir jetzt nichts und für mich verändert sich nichts. Das trägt sich dann einfach auch über Jahrzehnte. Deswegen beginnt Hörgesundheit einfach auch viel früher. Es ist jetzt auch nicht nur laute Musik, weil meistens immer direkt angenommen wird: Ich höre einfach viel zu laut. Es geht auch wirklich um diese langfristige Belastung und aber auch zum Beispiel um Stress. Oder was nochmal ein weiterer Faktor ist, sind falsche Hygienegewohnheiten. Da denkt auch nicht jeder immer da dran. Und dann ist es natürlich auch nochmal in jüngerem Alter die Angewohnheit, dass man über solche Dinge nicht unbedingt spricht, weil es eben kein Faktor ist, der einen tagtäglich stört. Da ist dann natürlich für uns grundsätzlich ein allgemeines sehr großes Potenzial da.

Tobias [00:14:44] Also müsste man diese junge Zielgruppe dann nicht eigentlich viel direkter ansprechen, um ja auch präventiv was zu tun, um die Spätfolgen zu vermeiden, aber auch, ich nenne das jetzt mal flapsig, das Thema Hörakustik aus der Rentnerecke rauszuholen.

Mascha Harder [00:14:58] Ich persönlich glaube tatsächlich, dass wir gesellschaftlich auf einem relativ guten Weg sind, uns mit dem Thema grundsätzlich sehr positiv und innovativ auseinanderzusetzen. Und wenn wir dann nochmal immer wieder von jüngeren Menschen sprechen, dann sprechen wir hier in dem Sinne auch von Prävention. Und wir können aber auch schon sehen, dass sich gerade hier ein völlig anderer Ansatz entwickelt, dass gerade die Stigmatisierung eben nicht vorhanden ist. Dass dieser Gedanke „Das ist einfach ein Hörsystem. Ich werde schlechter behandelt.“ meistens eher nur in den Köpfen der älteren Generation vorhanden ist. Deswegen besteht hier auch die Möglichkeit, wenn man jetzt selbst jünger ist und sich zum Beispiel einen Hörschutz macht, der älteren Person mit einem Hörschaden sagt: "Hey, wir können doch mal zusammen hingehen und einfach mal kurz einen Test machen. Das dauert ja auch nicht lange. Oder du machst einen Test und ich mache währenddessen meinen Hörschutz."

Tobias [00:15:56] Für Fielmann selbst habt ihr mithilfe eurer Marktforschung ein Konzept entwickelt, wie wir die Wahrnehmung des Themas Hören in der Gesellschaft verbessern können. Dann mal los: wie wollt ihr das machen?

Diana Beitz [00:16:06] Also bei Fielmann orientieren wir uns an unserer Marke Fielmann und nutzen auch die Stärke der Marke Fielmann und haben ein Konzept neu entwickelt, das die Bildwelt frischer inszeniert, das moderner ist, das auch verschiedene Altersgruppen darstellt. Und unter dem Motto "Hören verbindet" emotionalisieren wir das Thema stärker, als wir es vorher gemacht haben. Das heißt, wir zeigen unsere Kunden in Lebenssituationen, die sie alltäglich erfahren können. Also man geht durch den Wald und hört quasi die Vögel zwitschern. Und das nutzen wir sowohl in Text und Bild als auch über Videos. Und im nächsten Schritt versuchen wir auch noch viel stärker unsere Akustiker einzubinden und die persönliche Beratung einzubinden, also auch auf Social Media beispielsweise aufzuklären und zu zeigen, wer eigentlich hinter dem Thema Akustik und Beratungen bei Fielmann steht. Und als dritter Punkt, das passt auch quasi zu unserem Motto "Hören verbindet", versuchen wir ungewöhnliche Plattformen zu finden. Wo Hören auch verbindet. Also beispielsweise gehen wir dieses Jahr auf Musikfestivals wie das Hurricane, um dort Gehörschutz zu verteilen, eine junge Zielgruppe zu erreichen und da das Thema präsent zu machen.

Tobias [00:17:15] ...Die "zu-laut-Hörer" wie Mascha... (alle lachen).

Diana Beitz [00:17:18] Genau. Und einfach auch ein bisschen zu überraschen, wo wir eben auch auffallen und wo das Thema Hören auch auffällt.

Tobias [00:17:25] Um diesen Imagewandel bei Hörsystemen zu erreichen, braucht man, glaube ich, aber auch einen anderen Blick der Gesellschaft auf das Thema Hörsystem. Wenn wir das jetzt mal ganz kurz vergleichen: Bei der Brille ist das ja gelungen. Brillen waren vor 40, 50 Jahren unerwünschte Seeprothesen und jeder, der eine Brille trug, wurde Brillenschlange genannt. Das hat sich ja inzwischen komplett verändert. Die Brille ist auch ein modisches Accessoire und viele besorgen sich eine, obwohl sie gar keine brauchen. Kriegen wir das bei Hörsystemen auch hin, dass wir die irgendwie begehrenswerter oder cooler machen? Zum Beispiel indem wir sie bunt machen und mit Strasssteinen besetzen oder ist das illusorisch?

Diana Beitz [00:18:01] Also, ich glaube, was der elementare Faktor eigentlich bei dem Thema Hörsystem ist, ist, dass es ein Technologie-Thema ist. Hörsysteme sind smart, sie sind integrativ. Also, ich denke, darüber bekommen wir es schon hin, sie cooler zu machen und gerade auch eine ganz andere Zielgruppe anzusprechen. Ich könnte mir vorstellen, dass es bestimmt technikaffine Personen gibt, die überrascht sind, was heute möglich ist. Und da liegt, glaube ich, ein Coolness-Faktor und aus meiner Sicht liegt auch der Coolness-Faktor beim Thema Hörgesundheit, also wirklich Gesundheit als Treiber zu nutzen.

Tobias [00:18:35] Mascha, du bist ja bei uns verantwortlich dafür, dass wir alles tun, um Menschen eben diesen anderen Blick auf die Hörakustik zu geben. Was ist denn das Ziel? Was willst du erreichen?

Mascha Harder [00:18:45] Also das ideale Ziel wäre hier natürlich, dass es den Respekt und die Selbstverständlichkeit bekommt, was die Augenoptik heute schon hat. Dann ist es natürlich auch sehr spannend zu sehen, was technologisch passiert und wie viel Potenzial da auch vorhanden ist. Und dann würde ich mir persönlich auch noch mal wünschen, dass Menschen zu dem Punkt kommen, wo sie sich mit Hörgesundheit oder Hörakustik allgemein auseinandersetzen, nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und dass da auch wirklich dann dieser Mehrwert gesehen wird, was das bringt und dass die dann auch wirklich Lust darauf haben. Und natürlich auch würde ich mich sehr freuen, wenn ich mehr Menschen mit Otoplastiken sehen würde, die einfach in Titanoptik oder dann eben auch mit Bling-Bling sind.

Tobias [00:19:28] Was mich jetzt nochmal interessieren würde, ist, welche Farben haben denn deine Gehörschütze?

Mascha Harder [00:19:32] Der Schlafgehörschutz hat tatsächlich helle Farben. Einmal wollte ich rosa und grün nehmen, damit ich die eben nachts auch sehe. Und die für die Konzerte sind pink und schwarz. Auf der einen Seite, weil die...

Tobias [00:19:44] Hast du sowas auch, Diana, eigentlich?

Diana Beitz [00:19:45] Bisher noch nicht, aber mein Mann hat einige davon und der nutzt die auch sehr gerne. Aber tatsächlich schlafe ich noch nicht in Pink und in anderen Varianten. (alle lachen)

Mascha Harder [00:19:56] Empfehle ich absolut. Es gibt leider noch kein Glitzer, da warte ich noch drauf.

Tobias [00:20:01] Klebestrass

Diana Beitz [00:20:01] Aber vielleicht ist das doch mal genau eine Lücke, die wir besetzen können.

Tobias [00:20:05] Ja, im Grunde auch schon fast ein modisches Accessoire für dich, oder? Gehst mit doppeltem gutem Vorbild voran, einmal, indem du deine Ohren schützt und außerdem, weil du dann auch noch modisch eine Vorreiterin bist. Ich danke euch beiden, Diana und Mascha, für euren Besuch hier bei uns im Studio.

Diana Beitz [00:20:18] Vielen Dank!

Mascha Harder [00:20:19] Danke, dass wir hier sein durften.

Tobias [00:20:20] Sehr gern. So viel für heute bei Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger und wir hören uns wieder in zwei Wochen, wenn ihr mögt. Und wir würden uns sehr freuen, wenn ihr wieder mit dabei seid. Dann kommt ihr nämlich zu Wort. Wir haben euch ja bereits mehrfach gefragt nach euren schönsten Erlebnissen im Berufsalltag. Und einige der schönsten Geschichten sind Teil der nächsten Folge. Bis dahin alles Gute für euch. Bis bald und wir hören uns.

Station Voice [00:20:44] Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Hearing Connects. Ihr wollt gutes Hören möglich machen? Dann kommt in unser Team. Mehr auf career.fielmann.com

 

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