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#12 Wieder hören, wieder leben - Bewegende Momente aus der Hörakustik

Wieder mitreden können. Wieder die Stimmen der Enkelinnen und Enkel verstehen. Wieder Vogelgezwitscher hören. Für viele Menschen beginnt mit einem Hörsystem nicht einfach nur besseres Hören – sondern ein Stück Leben, das zurückkehrt.

Dieter Achtenberg hat seinen Hörverlust jahrzehntelang verdrängt. Erst ein Hörsturz, dann immer schlechteres Verstehen, Rückzug aus Gesprächen und das Gefühl, plötzlich nicht mehr richtig am Leben teilzunehmen. Selbst beim Frühstück mit der großen Familie saß der ehemalige Malermeister und heutige Schiedsmann oft nur noch schweigend daneben. Bis seine Frau sagte: „Jetzt musst du etwas tun.“

Der 82-Jährige erzählt im Talk mit Tobias Plöger offen und bewegend von seinem langen Weg durch verschiedene Versorgungen, vom Cochlea-Implantat, vom mühsamen Neu-Lernen des Hörens – und von dem Moment, als er nach Jahren plötzlich wieder die kleinen Vögel im Garten zwitschern hörte. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig gute Beratung, Geduld und moderne Hörsysteme für die Lebensqualität vieler Menschen sind.

Außerdem kommen Hörakustikerinnen und Hörakustiker aus ganz Deutschland zu Wort und erzählen von den emotionalsten Momenten ihres Berufsalltags: von geretteten Weihnachtsfesten, Tränen vor Freude, bewegenden Umarmungen und Kundinnen und Kunden, die durch gutes Hören wieder zurück ins Leben gefunden haben.

Station Voice [00:00:01] Willkommen bei Hearing Connects, dem Podcast für Hörakustik von Fielmann.

Tobias [00:00:16] Wenn Hörakustikerinnen und Hörarkustiker einem Menschen helfen, endlich wieder mitreden zu können, also endlich wieder zu verstehen, was andere sagen, dann ist das sehr oft ein ziemlich emotionaler Moment. Weil das nach oftmals Jahren des schlechten Hörens, des nicht mehr Verstehens, eine unglaubliche Erleichterung ist. Wir haben euch da draußen gefragt, was war euer schönstes Erlebnis mit Kundinnen und Kunden? Welchen Moment eurer Karriere als Akustiker werdet ihr nie vergessen? Viele von euch haben uns geschrieben und einige haben wir gebeten, uns ihre Erlebnisse in einer kurzen Sprachnachricht zu erzählen, damit jeder von euch sie hören kann. Die schönsten Geschichten werden wir gleich mit euch teilen. Vorher machen wir mal einen Perspektivwechsel. Wir haben hier schon mit vielen gesprochen. Wir haben gesprochen mit Ärzten, mit Höerakustikern, mit Ausbildern, mit Forschern, Entwicklern, aber noch nie mit denen, um die sich bei der Beratung im Akustikstudio eigentlich alles dreht: nämlich die Kunden. Wie erleben die eigentlich diesen Moment, wenn sie merken: "Mist, ich brauche Hilfe, ich brauch ein Hörsystem." Wird Zeit, dass wir das mal erfahren, hier bei Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger und ich freue mich total auf meinen heutigen Gast. Dieter Achtenberg aus Schönwalde am Bungsberg. Das liegt im schönen Schleswig-Holstein. Willkommen, Dieter.

Dieter Achtenberg [00:01:34] Danke, gleichfalls. Freue ich mich, hier sein zu dürfen.

Tobias [00:01:38] Wenn jemand beschreiben kann, was beim Akustikerbesuch alles schieflaufen kann, dann ist es der Dieter... Du warst bei vielen Akustikern. Bis dir am Ende dann richtig geholfen wurde. Bevor wir darüber sprechen, erzähl uns ein bisschen mehr über dich selber.

Dieter Achtenberg [00:01:52] Ja, ich bin 82 Jahre alt. Ich bin vom Beruf Malermeister, habe die Möglichkeit gehabt, in einem farbigen Beruf zu leben und den Leuten viel Freude zu bereiten über die Gestaltung der Farben. Es bringt dann viel Spaß, wenn der Kunde zufrieden ist und die Beratung ist jetzt auch sehr entscheidend.

Tobias [00:02:14] Du hast gerade gesagt, 82 Jahre, das sieht man dir wirklich überhaupt nicht an. Das heißt, du bist schon relativ lange in Rente, aber immer noch total aktiv. Du bist nämlich auch Schiedsmann im Amt Ost-Holstein-Mitte. Ein Schiedsmann ist so was wie ein Streitschlichter. Was erlebst du?

Dieter Achtenberg [00:02:31] Ich erlebe die Probleme, die in der Nachbarschaft sich so darstellen. Zum Beispiel habe ich einen Fall gehabt, da haben sich mehrere Nachbarn über eine Frau beschwert, die die Lautsprecher sehr laut hatte, auch nachts laut hatte und eine sehr hohe Phonzahl in die Natur geschickt hat.

Tobias [00:02:51] Die hat Musik gehört oder was hat die gemacht? Oder Fernsehen geguckt?

Dieter Achtenberg [00:02:54] Musik gehört und vor allen Dingen die Bässe sehr laut gestellt. Und es kam dann zu einer Einigung, weil die Sache wäre dann zum Gericht gegangen, zum Amtsgericht. Und dann habe ich ihr gesagt, es sind schnell bis zu 5.000 Euro fällig. Sagt sie: "Nein, das will ich nicht bezahlen, dann unterschreibe ich das, ich stelle es ein." Und nach knapp einem halben Jahr war sie bei mir und ich sage: "ich habe da nichts mehr mit zu tun. Der Schiedsspruch zählt jetzt, und zwar 30 Jahre... Ja, was sie machen sollte. Und sie sprach so laut, ich sag: "sagen sie mal, haben sie Hörprobleme?" "Nein!" "Doch", sagt die Tochter. "Du hörst schwer." Ich sag: "Wie wäre das, wenn sie denn die Musik... Also Punkt eins, sie schaffen sich Hörgeräte an, um die Musik jetzt normal zu hören, um die Nachbarn nicht zu stören. Ansonsten müssen sie damit zu Gericht gehen. Ja, dann wollte sie das machen.

Tobias [00:03:44] Letzten Endes, hast du dafür gesorgt, dass die Frau dann Hörsysteme bekommen hat?

Dieter Achtenberg [00:03:48] Ja. Ich hoffe jetzt, dass es über Hörsysteme jetzt das Problem gelöst ist.

Tobias [00:03:52] Wer Streit schlichten will, der muss ja gut zuhören können. Man muss seine Mitmenschen im wahrsten Sinne des Wortes verstehen. Aber genau das war stellenweise auch für dich ziemlich herausfordernd. Kannst du uns deinen Hörverlust mal beschreiben?

Dieter Achtenberg [00:04:07] Es ist vor 30 Jahren, 35 Jahren angefangen. Ich habe einen Hörsturz gehabt und der wurde dann damals durch Infusion behandelt. Aber meine Hörfähigkeit auf dem linken Ohr war um 50 Prozent reduziert. Das rechte Ohr hatte noch einigermaßen Hörfähigkeit, aber im Laufe der Jahrzehnte wurde auch das schlechter. Und es war jetzt 2024. Dann habe ich dann für mich erkannt, es geht so nicht mehr weiter. Weil...

Tobias [00:04:37] Hast du das erkannt oder hat deine Frau das erkannt?

Dieter Achtenberg [00:04:38] Das war meine Frau, die dann immer sagte: "Also, du musst mal zuhören." Und ich sage: "Ich habe doch zugehört." "Nein, also, du hörst einfach nicht zu." Und das spitzt sich zu. Und auch in der Gesellschaft: man saß da nebenan und hat nicht mehr teilgenommen an den Gesprächen. Und das ist schon eine Belastung. Und wenn man dann hört, was da hinterher besprochen worden ist, dann sagt man: "Das geht so nicht weiter!".

Tobias [00:05:01] Ja, vor allem muss man sagen, du hast eine sehr große Familie, mit der du auf einem großen Grundstück zusammen lebst. Und du hast dann ja teilweise beim Frühstücken mit 16 Personen an einem Tisch gesessen. Wie war das denn für dich?

Dieter Achtenberg [00:05:16] Das war eine beklemmende Sache, man hat sich herzlich begrüßt, aber nicht mehr viel mitbekommen und das macht was mit einem Menschen.

Tobias [00:05:24] Was macht das denn?

Dieter Achtenberg [00:05:25] Ich will nicht sagen, man wird depressiv, aber man nimmt nicht mehr am aktiven Leben teil. Gespräche führen, sich austauschen, ist das Wichtige im Leben, anstatt da zu sitzen und vor sich hin zu träumen und nichts hinzukriegen.

Tobias [00:05:39] Aber letzten Endes hat es ja trotzdem noch relativ lange gedauert, bis du hingegangen bist. Und auch im Grunde, wenn wir ehrlich sind, auch nur weil deine Frau gesagt hat, jetzt geh mal hin, oder?

Dieter Achtenberg [00:05:47] Ja, die war nachher der ausschlaggebende Punkt und bevor die Probleme in der Ehe sich hochstilisieren, dann habe ich mich dann entschlossen, jetzt einen Cochlea-Implantat mir anzuschaffen.

Tobias [00:06:01] Du hast dich jetzt also entschieden zum Akustiker zu gehen. Warst dann aber nicht nur bei einem, sondern wir müssen es ehrlich sagen, du warst gleich bei mehreren hintereinander. Was ist denn da alles schief gelaufen?

Dieter Achtenberg [00:06:11] Das ist ein langer, langer Weg. Ich bin jetzt über insgesamt fünf verschiedenen Geschäften letzten Endes bei der Firma Fielmann gelandet und dort habe ich einen sehr fähigen Akustikermeister erlebt, der dann alles Mögliche versucht hat, aus den Hörgeräten herauszuholen. Es gestaltet sich immer schwieriger und dann sagte er mir, das ist das Endstadium, mehr liegt jetzt im Moment nicht drin.

Tobias [00:06:36] Das heißt, du brauchtest neben dem normalen Hörsystem jetzt noch eben sozusagen ich sag mal so ein extra Boost für dann eines Ohr um das Hören möglich zu machen?

Dieter Achtenberg [00:06:45] Ja. Um das Hören möglich zu machen. Ich habe mich dann in der Uni Lübeck jetzt habe ich mich informiert. Sehr intensiv. Vorher hatte ich mich selbst im Internet schlau gemacht, welches Implantat da in Frage kam. Weltweit gibt es vier Firmen, die das nur herstellen. Aufgrund dessen bin ich dann zum Cochlea-Implantat gekommen, habe ich registriert und als ich jetzt eingestiegen bin, habe ich dann festgestellt, dass es eine ganz komplizierte Sache sein kann - und ist. Es wird operativ in den Kopf gesetzt, hinter dem Ohr wird es implantiert und es ist ein total schlimmes Erlebnis in dem Moment, weil das Hörvermögen des Ohrs ist auf null. Es ist stillgelegt. Und nun muss man dann erstmal das Hören lernen. Das sind elektronische Signale, die in den Kopf gehen. Und das Gehirn muss jetzt die Signale jetzt in Worte oder in Buchstaben umsetzen, um es zu verstehen. Das ist ein längerer Zeitraum, der da ist und ich habe anderthalb Jahre hinter mir und habe intensiv geübt und ich bin jetzt froh, dass sie es gemacht haben. Mein Hörvermögen hat sich jetzt um Längen verbessert. Denn wie ich schon sagte, also man nimmt am Leben nicht mehr teil, man schaltet ab.

Tobias [00:08:07] Wenn du sagst, du hast abgeschaltet. Wird es dann auch langweiliger, das Leben?

Dieter Achtenberg [00:08:13] Das wird langweiler. Ich bin jetzt nicht mehr auf dem Laufenden. Es geht auch los mit dem Fernseher zum Beispiel. Der wurde dann immer lauter gestellt, weil man das nicht so verstanden hat. Bis meine Frau dann auch schon anfing, Ohrhörer aufzusetzen und spätestens da war klar, es geht so nicht weiter.

Tobias [00:08:32] Also im Grunde hattest du dann zu Hause dasselbe Problem wie die Frau, der du geholfen hast als Schiedsmann.

Dieter Achtenberg [00:08:37] Genau. Und es ist auch schwer, das selbst zu erkennen.

Tobias [00:08:42] Würdest du sagen, wenn man nicht gut hört, dann führt das auch dazu, dass man insgesamt weniger denkt?

Dieter Achtenberg [00:08:49] Ja, man stumpft ab, um das so zu sagen. Ich hatte das Gefühl, man verblödet. Man nimmt nicht mehr am Leben teil, auch in Gesprächen, wenn man Bekannte jetzt trifft und so weiter, man steht da und versteht sie nicht, man mag zweimal nachfragen, spätestens beim dritten Mal sagt er: "Naja, muss ich denn so schlucken."

Tobias [00:09:10] Dann hast du dir auf der einen Seite ein Hörsystem anpassen lassen, auf der anderen Seite ein Cochlea-Implantat. Wenn zwei Geräte, die nichts miteinander zu tun haben, die ja auch von der Bauart ganz unterschiedlich sind, ja, das eine ist ein Implantat, das andere ein Hörsystem: We schafft man das, dass die vernünftig zusammenarbeiten?

Dieter Achtenberg [00:09:30] Ja, das ist in der Tat ein sehr großes Problem. Ich habe da auch sehr intensiv damit herumgedoktert, in Anführungsstrichen. Ich hatte mich mit der Cochlea-Implantat-Firma auseinandergesetzt, dann mit der Hörgerätefirma, die das Hörgerät herstellte... Die kompatibel hinzukriegen... Und hinzukommt dann noch ein passendes Handy zu finden. Diese beiden Geräte, das Cochlea-Implantat und das Hörgerät, sind beide auf KI-Basis aufgebaut. Und es ist ein großes Problem, die auf einen Nenner zu bringen, weil der Kopf muss das wieder zusammenverarbeiten. Und dann habe ich mir im Internet jetzt Informationen geholt, eine Firma, die dann schon Kund getan hat, das ist dann auch kompatibel und das funktioniert - und das funktionierte nicht. Dann haben sich die zwei Firmen zusammengetan und haben dann mit der Handyfirma versucht, es hinzukriegen. Es klappte einfach nicht. Dann hieß es immer in der Vergangenheit, es hat geklappt, aber es klappt dann nicht. Bis ich dann jetzt ins Internet wiedergegangen bin und stellte fest, eine andere Firma hat jetzt ein neues Handy herausgebracht, die jetzt auch mit dem Cochlea-Implantat mit der Firma zusammenarbeitete. Und sie haben auch ein gemeinsames System ermittelt. Und auch das Hörsystem ist darauf abgestimmt, weil diese drei Sachen gehören jetzt mittlerweile zu einem Firmenkonzern. Und das hat mir sehr, sehr, sehr geholfen. Ich muss eins sagen, telefonieren, das klappt noch nicht. Also auf dem Implantat. Das ist aber kein Problem... Ich höre es auf dem anderen Ohr. Aber ansonsten bin ich mit der Gesamtwirkung sehr zufrieden.

Tobias [00:11:14] Und musstest du nach diesem langen, langen Anpassungsprozess von Cochlea-Implantat, von Hörsystem, der Zusammenarbeit der beiden Geräte: Musstest du hören, da eigentlich neu lernen?

Dieter Achtenberg [00:11:27] Das Hören musste ich neu lernen. Das hört sich komisch an. Ich sitze da und dann kriege ich jetzt Worte: Berlin, zum Beispiel oder oder Schneemann oder was... Berlin. Man hört ja nur ein Genuschel. Béchelin, Béchelin, Bächelin... Es dauerte eine ganze Zeit. Man hat sich dann Stück für Stück daran abgearbeitet. Und ich habe jetzt über ein Jahr intensiv geübt, jeden Tag eine halbe Stunde und länger. Und ich bin ehrgeizig und ich habe Ansprüche an mich. Und insofern habe ich auch die Ansprüchen dann an die Hörfirmen gestellt. Ich hatte das Glück, dass ich einen guten Hörakustikermeister gefunden habe, der sich darauf eingelassen hat. Das muss ich schon sagen und was mir dann auch sehr gut gefallen hat: ich habe das Hörsystem jetzt im Ohr jetzt sieben Monaten gehabt und mittlerweile kam mir dann von Fielmann eine Meldung rein, also wie ich die Zufriedenheit beurteile, wenn nicht könnte ich das Hörgerät zurückgeben und dann habe ich mich mit dem Akustikermeister kurz geschlossen und Sie haben es doch erst sieben Monate drin. Ich sage eben, ich möchte das aber probieren, wie das Neue ist und er sagte: "Okay, machen wir." Und da stellte ich fest, das ist dann schon... Für mich war das ein Quantensprung, die Worte und die Silben über KI wirklich sauber zu verstehen.

Tobias [00:12:55] Es ist schon verrückt, ne? Also je moderner Hörsysteme werden, desto unglaublich viel leistungsstärker werden sie auch. Und du nimmst auch darüber hinaus noch jetzt an einer Studie der Uniklinik Lübeck teil, wo eben es genau auch um dieses Zusammenspiel zwischen Cochlea-Implantat und Hörsystem geht.

Dieter Achtenberg [00:13:13] Genau. In dieser Studie versucht man jetzt das zusammenzukoppeln. Denn ich bin sicherlich in jeder Beziehung neu drin. Das heißt, die Erfahrungen, die jetzt sind, ich gehöre einer zu den Ersten, die die Erfahrung gemacht haben. Wichtig ist, dass die Leute wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Was mir persönlich da sehr wichtig ist, ich habe sehr lange gebraucht, die Erfahrung, die ich gemacht habe, würde ich gerne weitergeben, um anderen Leuten vielleicht auch einen Denkanstoss zu geben, das was man noch, auch wenn man schwer hören kann, wirklich noch möglich machen kann.

Tobias [00:13:48] Im Grunde hat jeder Zweite über 70-Jährige einen Hörverlust, braucht eine Unterstützung. Genau wie du schieben es ganz viele ganz ganz lange vor sich her. Was würdest du denen raten?

Dieter Achtenberg [00:14:00] Dass sie bei Zeiten meistens auf die Frau hören und sagen, wenn das Hören schlechter wird, dass man sich auf den Weg macht. Das kann ich nur sagen. Je länger man wartet, und das ist auch wissenschaftlich erwiesen, je länger dauert es, etwas zurückzuholen, was denn zum Teil schon verschwunden ist.

Tobias [00:14:17] Es ist ja immer ein Anliegen auch den vielen Hörakustikerinnen- und Akustikern etwas mitzugeben, was ihnen vielleicht bei der täglichen Arbeit hilft. Aus deiner Sicht als Kunde: was wünscht du dir von einem Hörakustiker? Worauf legst du als Kunde besonderen Wert?

Dieter Achtenberg [00:14:33] Auf eine intensive und sachkundige Information, die ich bekomme. Ich selbst hatte das Glück, der war zugewandt, aber ich weiß es von anderen, dass es noch ein Neuland ist und man auf dem Gebiet wirklich noch nicht unbedingt in die Breite geht mit der Information. Das sind meine Empfindungen, auch wenn ich mich dann mal rumhöre. Gerade deshalb möchte ich jetzt auch, dass das, was ich erleben durfte... Zum Glück jetzt positiv als Ergebnis. ...Möchte ich schon, dass das auch anderen die Möglichkeit gibt, sich zu informieren.

Tobias [00:15:10] Ich habe das zu Beginn unseres Gesprächs ist ja bereits gesagt, du bist Schiedsmann, du bist Mitglied einer großen, großen Familie, mit vielen eigenen Kindern, mit vielen Enkeln, bist umgeben von vielen, vielen Menschen. Wenn du es jetzt einmal als Emotionen beschreiben könntest, wie froh bist du, dass du wieder hören kannst.

Dieter Achtenberg [00:15:29] Das kann ich eigentlich gar nicht in Worte fassen. Das ist ein Gefühl, ein Glücksgefühl. Wenn ich selbst meine beiden Urenkel jetzt ganz sauber verstehen kann und es bringt einfach Spaß, wieder am Leben teilzunehmen, aktiv teilzunehmen, das ist mir wichtig. Und ich werbe darum, geht bei Zeiten hin, lasst das nicht so weit kommen, bis man fast nichts mehr hören kann. Ich habe zum Beispiel auch jetzt im Hörtraining auch Leute kennengelernt, da war eine Frau, die ist schon zwei Jahre dabei. Dann sagt man auch: "Wie häufig übst du denn jetzt?" - "Ja, ich mache das mal einmal in der Woche und ich nehme das auch raus. Also das stört mich denn. Aber das wird nicht besser..." Ich sage: "Worüber wundert man sich?" Ja, es ist wirklich, man glaubt das nicht, aber es ist mir mitgeteilt worden. Ich hab nur den Kopf geschüttelt.

Tobias [00:16:18] Hat eigentlich auch deine Frau gemerkt, dass du jetzt plötzlich wieder besser hörst?

Dieter Achtenberg [00:16:22] Ja, sie sah mich dann eines Tages Freude strahlend rein kommen und sagte: "Was hast du denn?" - Ich sag: "Du, ich höre jetzt die Vielfalt der Vögel, ich hören sie alle wieder piepsten." Ist das nicht ein schönes Erlebnis?

Tobias [00:16:37] Wie lange hast du die nicht gehört?

Dieter Achtenberg [00:16:38] Paar Jahre. Ich kann das so nicht einordnen. Also Krähen und so weiter, die hört man sehr deutlich, aber die kleinen Pieper, sei es nur Meisen oder Stieglitze und so weiter, das habe ich denn alles vermisst vorher.

Tobias [00:16:53] Dieter Achtenberg, ganz ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen. Alles Gute.

Dieter Achtenberg [00:16:58] Ja, ich bedanke mich auch, dass ich die Möglichkeiten hatte, mit dir diesen Podcast zu machen. Es ist mir sehr wichtig, als mein Akustiker mich ansprach, ob ich da zu Lust hätte, habe ich gesagt: "Ja, sehr gerne." Ich möchte meine Erfahrung mitteilen, was ich hiermit getan habe. Und ich kann nur jeden raten, geht zeitig los, packt es an, es lohnt sich.

Tobias [00:17:20] Und an dieser Stelle dann auch ganz herzliche Grüße noch an deine Frau, die dafür gesorgt hat, dass du hingegangen bist.

Dieter Achtenberg [00:17:25] Das werde ich jetzt selbstverständlich auch ausrichten. Und sie freut sich sicherlich auch über die Grüße.

Tobias [00:17:31] So. Und nun seid ihr dran, wie versprochen: der Beruf des Hörakustikers ist einer, der total viel Spaß machen kann, weil es bei der täglichen Arbeit immer wieder Momente gibt, die einfach schön sind. Wir haben euch danach gefragt, welche Augenblicke euch in Erinnerung geblieben sind. Und viele von euch haben uns Sprachnachrichten mit diesen Erlebnissen geschickt. Hören wir da mal rein.

Danny [00:17:55] Hallo, ich bin Danny. Ich bin Hörakustikmeister und arbeite in Düsseldorf. Und ich habe am 22.12.2025 gearbeitet. Das war ein Samstagsdienst. Es kam dann irgendwann im Laufe des Tages eine Kundin rein, die sichtlich nervös war, weil sie ja nichts hören konnte und Angst hatte, dass dadurch ihr Weihnachtsfest eben ins Wasser fällt. Und ich hab die Geräte inspiziert, gereinigt, reingehört, auf Funktion kontrolliert, keine Auffälligkeiten. Die Geräte saßen halt etwas zu, dann habe ich die Geräte ihr wieder überreicht und es war alles super. Es hat geklappt. Sie hat wieder gehört. Sie war wirklich dankbar. Ein paar Wochen später, ich bin in der Zeit nicht in der Filiale gewesen, bin ich zurückgekommen und habe dann in meinem Fach eine Karte gesehen, die dann wohl von ihr gewesen ist und sie hat sich wirklich nochmal sehr dankbar gezeigt. Ich kann das hier mal vielleicht zitieren: "War sehr aufgelöst, sie erinnern sich bestimmt. Es war für mich wie ein Supergau und es ist nicht übertrieben, dass sie mein Weihnachtsfest gerettet haben. Mit freundlichen Grüßen." Ich war so überrascht, weil es war für mich eine Kleinigkeit diese Inspektion zu machen und für sie hat es so viel bedeutet. Das hat mir noch mal so ein bisschen die Wichtigkeit von unserer Arbeit auch gezeigt.

Sarah [00:19:11] Hallo, mein Name ist Sarah. Ich bin Hörakustikleitung in der schönen Skatstadt in Altenburg in Thüringen. Ein Erlebnis, das ist noch nicht so lange her: da war ein Kunde, Erstversorgung, 98 Jahre. Ich muss ehrlich sein, ich war etwas skeptisch, die ersten Hörsysteme mit 98 Jahren zu bekommen. Rückblickend hat es super gut funktioniert. Der Kunde war so inspirierend für mich. Er war gewillt, er war ehrgeizig, er war interessiert. Ja, und mir hat es gezeigt, man ist nie zu alt für Hörsysteme.

Marie-Louise [00:19:45] Hi, ich bin die Marie-Louise. Ich bin Auszubildende in der Hörakustik in Rudolstadt in Thüringen. Und bei mir war es so, ich hatte einen Erstanpassungstermin mit dem Kunden seiner Ehefrau. Die waren auch sehr, sehr nett, hat sehr viel Spaß gemacht mit denen. Dem habe ich Hörsysteme angepasst und ´nen Zubehör mitgegeben. Zwei Wochen später hatten wir dann einen Folgetermin gehabt. Und die Ehefrau meinte als erstes: "Danke." Und ich so: "Für was denn jetzt, danke?" Und sie so: "Ja, durch sie konnten wir seit Jahren endlich wieder zusammen Fernsehen schauen." Und ist beinahe in Tränen ausgebrochen und hat mich umarmt.

Yvonne [00:20:23] Mein Name ist Yvonne und ich komme aus Binden. Da ich seit über 20 Jahren Hörakustikerin bin, gibt es unzählige Kundenmomente, die mich bewegen. Ein zwischenmenschlicher Moment war mit einem langjährigen Kunden. Er kam immer vormittags zu Terminen und bekam, während er auf seine Geräte wartete, einen Kaffee und erforderte dazu immer ein Mettbrötchen, natürlich nur aus Spaß. Und das wurde schon zu einem kleinen Running Gag zwischen uns. Irgendwann hatte er keinen Termin am Vormittag, sondern am Nachmittag und ich hab´dann aus Spaß zu ihm gesagt: "Dann könnten wir zusammen Kuchen essen, weil nachmittags passt das Mettbrötchen ja nicht mehr so." Und so im Termin ist er dann tatsächlich mit einem Stück Kuchen gekommen. Und ja, ich finde einfach, dass genau diese Momente auch die Wertschätzung zeigen und sie dankbar dafür sind, was wir für Arbeit leisten.

Martina [00:21:06] Hallo, mein Name ist Martina. Ich arbeite als Hörkustikgesellin in Landshut. Und wie ich dann in der neuen Firma war, gab es mal eine Situation, es war ein regnerischer Tag. Die Kundin kam rein. Ich habe sie nur von hinten gesehen und sie hat ihre Enkelin dabei gehabt. Und ich denke mir so, die Frau kommt mir bekannt vor. Und dann habe ich erkannt, wer es ist, die Kundin von früher. Und ich habe sie natürlich gleich mit Namen angesprochen. Und Die Kundin, die war das erste Mal bei uns im Laden, wir hatten kurz vorher den Laden eröffnet und da war die natürlich komplett perplex, kam dann in einen fremden Laden, dreht sich um und wird mit Namen angesprochen. Und nachdem sie realisiert hat, wer ich bin, hat sie zu Strahlen angefangen, ist auf mich zugekommen, ist mir in die Arme gefallen und die Enkelin, die sie dabei hatte, die hat gar nicht mehr gewusst, was los ist, die hat mich angeschaut, hat ihre Oma angeschaut. Am Ende haben wir alle gelacht, weil das einfach so ein toller Moment war, man glaubt es nicht, aber man macht Kunden mit Hörsystemen glücklich.

Jessin [00:22:11] Hallo, mein Name ist Jessin, ich bin Hörakustikleitung aus Erlangen. Die Kundin kam zu einer klassischen Folgeversorgung zu uns. Sie lebte allein, ging nur ab und zu zum Arzt oder einkaufen. Gleich am Anfang sagte sie zu mir, ich will keinen Schnickschnack, einfach was Solides, so wie ich es kenne. Die Anpassung lief ganz ruhig, ganz unkompliziert. Sie war wirklich schnell zufrieden und wollte dann den Abschluss. Beim Abschlusstermin gingen wir dann gemeinsam alle Unterlagen durch. Ich gab ihr alles mit und dann fragte sie mich noch: "Können Sie mir bitte noch die Rechnung fertig machen, damit ich es dann überweisen kann?" Ich schaute sie an und sagte: "Aber sie müssen doch gar nichts bezahlen. Das Gerät ist für Sie komplett kostenfrei." Und sie sagte nichts mehr. Sie fing einfach an zu weinen. Sie erzählte mir, dass sie all die Jahre, in denen sie Hörgeräte getragen hat, immer auf jedes neue Paar Hörergeräte gespart hat. Sie verließ die Filiale mit Tränen in den Augen, umarmte mich und sagte: "Ja, das muss ich jetzt erstmal verarbeiten." Ja, die Kundin ist mir so ans Herz gewachsen, dass wir uns tatsächlich bis heute jedes Jahr gegenseitig anrufen und zum Geburtstag gratulieren. Und genau für solche Momente liebe ich meinen Beruf.

Tobias [00:23:16] Ja, ganz herzlichen Dank für eure Erlebnisse. Mir hat es total Spaß gemacht, zu hören, was euch alles so im Berufsalltag passiert und was manchmal eine freundliche Geste, ein Lächeln, ein herzliches Dankeschön alles auslösen und bewirken können. Und mit diesen Stimmen von euch endet unsere erste Staffel von Hearing Connects. Unser Podcast-Team hofft sehr, dass ihr viel bei uns erfahren habt, was euch weiterbringt. Und bevor wir uns in eine Pause verabschieden, möchte ich euch einmal die Menschen nennen, die diesen Podcast überhaupt erst möglich gemacht haben: Tessa Leinenbach und Anna Schweifel in der Planung und Vorbereitung der Themen, Ralf Podszus in der Technik und in der Organisation und Beratung Veronica Bogner, Claudia Beck, Jonas Appelhans und Juliane Thesing. Ohne die Hilfe dieses Teams wäre das alles nicht möglich gewesen. Danke also dafür. Mein Name ist Tobias Plöger und ich freue mich schon jetzt auf Staffel 2. Wir kommen wieder mit neuen Themen aus der Hörakustik.Und dann hören wir uns.

Station Voice [00:24:11] Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Hearing Connects. Weitere Infos zur Podcast-Folge und Karrieremöglichkeiten bei Fielmann gibt's auf: career.fielmann.com/hearing-connects

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