#13 Chancen erkennen und ergreifen: Wie Karrierewege in der Hörakustik entstehen
Station Voice [00:00:00] Willkommen bei Hearing Connects, dem Podcast für Hörakustik von Fielmann.
Tobias [00:00:15] Es geht endlich wieder los. Die Sommerpause ist vorbei. Wir sind wieder da mit der zweiten Staffel von Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger und ich freue mich riesig auf die nächsten Folgen, denn wir haben spannende Themen für euch alle, die ihr in der Hörakustik arbeitet oder euch einfach für gutes Hören interessiert. Heute unser Thema, Karrierewege in der Hörakustik. Wenn wir über Karrieren sprechen, klingt das ja oft so, als gäbe es dafür einen klar definierten Weg, Ausbildung, Berufserfahrung. Nächster Schritt, mehr Verantwortung, höhere Position und so weiter. Aber Karrierewege sind selten so gradlinig. Manche Menschen wissen schon ganz früh, was sie wollen und setzen sich immer neue Ziele. Andere probieren sich vielleicht viel mehr aus und biegen mal links ab und mal rechts ab. Genau darüber sprechen wir heute. Wie unterschiedlich können Karrierenwege in der Hörakustik aussehen? Wie viel davon lässt sich planen? Und welche Rolle spielen Mut und Risikobereitschaft? Dazu habe ich heute zwei Hörakustikermeisterinnen eingeladen, die wirklich sehr unterschiedliche Wege gegangen sind. Janna Ulbrich ist 28 Jahre alt, sie leitet eine Hörakustik in Norddeutschland und ihr Weg dorthin ist superspannend. Gleich mehr dazu. Erstmal willkommen, Janna.
Janna [00:01:27] Ja, hallo und vielen Dank für die Einladung, dass ich dabei sein darf.
Tobias [00:01:30] Sehr gerne. Stephanie Schneider ist 60 Jahre alt. Sie startete Ende der 80er Jahre zunächst in der Augenoptik, arbeitet seit Jahren im Ausland und ist über ziemlich viele Umwege in der Hörakustik angekommen. Hallo Stephi.
Stephanie [00:01:43] Ja, hallo. Ich freue mich auch riesig, dass ich dabei sein kann. Ich finde es total spannend heute.
Tobias [00:01:48] Janna, du kanntest den Beruf Hörakustikerin nach dem Abitur eigentlich gar nicht. Wie wurde aus einer Zeitungsanzeige am Ende eine Berufswahl? Das musst du uns erzählen.
Janna [00:01:56] Ich selber kannte den Beruf tatsächlich noch nicht und hatte auch keine Berührungspunkte damit und dann hat meine Familie eine Zeitungsanzeige in der Zeitung gesehen und dann haben wir erstmal geguckt, was das ist und dann habe ich mir das gegoogelt und dann hab ich festgestellt, dass die ganzen Bereiche, die zur Hörakustik gehören, auch mit meinen Interessen übereinstimmen, weil ich ursprünglich mal die Idee hatte, Biochemie zu studieren und da war da auch alles mit dabei, ohne dass ich studieren musste und dann hatte ich tatsächlich einfach mal ein Praktikum in der Hörakustik gemacht und bin seitdem dabei geblieben.
Tobias [00:02:29] Deine Ausbildung hättest du besser nicht abschließen können. Du bist Bundessiegerin im Leistungswettbewerb der Hörakustik geworden und warst 2019 die beste Auszubildende Deutschlands. Hast du da gezielt drauf hintrainiert oder war das auch eine totale Überraschung für dich?
Janna [00:02:44] Dazu gibt es auf jeden Fall eine kleine Anekdote. Und zwar, wir haben ja in der Lehrwerkstatt auch immer Fortbildungen in der Ausbildung. Und da wurde ich mal gefragt im letzten Training quasi vor der Gesellenprüfung. Sag mal, Janna, was möchtest du eigentlich? Warum übst du so viel? Und warum möchtst du es immer besser noch hinbekommen? Da habe ich gesagt, ich möchte gerne Kammer-Siegerin werden. Den Kammer-Sieg habe ich hinbekommt. Und dann ist es sogar der Bundesieg gewonnen, worauf ich auch sehr, sehr stolz bin immer noch.
Tobias [00:03:09] Welche Türen hat dir das geöffnet?
Janna [00:03:12] Einiges. Also, es war auf jeden Fall daraufhin ein sehr, sehr spannendes Jahr. Ich hatte Zeitungs-Interviews, Radio-Interviews, alles Mögliche, was man sich vorstellen kann. Auf einmal kannte mich gefühlt jeder und es hat mir auch den Weg geöffnet, dass ich daraufhin dann mit meinem Meister fortfahren kann und die Meisterschule komplett gefördert bekommen habe und auch noch weitere Förderungen für Fortbildung erhalten habe.
Tobias [00:03:36] Diese Meisterausbildung, die hast du dann ja im Grunde sofort angeschlossen. Du warst mit 23 Jahren schon dann eben Meisterin und Leiterin einer Hörakustik bei Fielmann in Emden. Warum wolltest du so früh schon Verantwortung übernehmen?
Janna [00:03:50] Also tatsächlich hat sich das einfach dann so ergeben. Ich wollte sowieso immer dann auch den Meister machen, aber durch den Bundessieg hat das ja dann eben auch die Türen geöffnet, wie wir gerade ja schon besprochen haben. Ich hätte sogar direkt nach der Gesellenprüfung noch in den Meisterschulkurs einsteigen können, aber das war selbst mir dann etwas zu schnell. Und da habe ich gesagt: "Nee, ich möchte gerne ein Jahr noch als Gesellin arbeiten." Habe ich in dem Jahr auch noch für die Optik dazugelernt und noch eine Fachberatung für die Optik dazu erlernt. Und dann wollte ich aber ja nach wie vor auch den Meister machen und weitermachen. Also nach dem einen Jahr habe ich dann mit der Meisterschule einfach weiter gemacht, um weiter zu lernen. Und ich finde, wenn man noch so im Lernen auch drin ist, fällt es einem auch noch ein bisschen leichter, direkt anzuschließen, als wenn der Schulstoff irgendwann auch schon lange dahin ist.
Tobias [00:04:36] Was würdest du sagen, ist für so junge Menschen wie dich damals die größte Herausforderung, wenn sie sehr früh Beratsmeister werden?
Janna [00:04:43] Also wenn man sehr früh Meisterin ist, ist natürlich ein Thema, dass man auch so dann ernst genommen wird und wahrgenommen wird und nicht noch von jedem quasi als die Azubine da wahrgenommen werden. Das ist tatsächlich was, was man sich auch erkämpfen muss dann, dass jeder auch diesen Respekt dann vor einem hat und mit der Stelle, die man dann auch in dem Moment hat und die Verantwortung. Und natürlich ist es auch in so jungen Jahren sehr, sehr viel, wobei ich glaube, das ist auch, wenn man älter ist, sehr, viel, wenn in so eine Leitung einsteigt und das Ganze übernimmt und das erst mal Personalverantwortung hat und allgemein die ganze Verantwortung für so eine Abteilung.
Tobias [00:05:17] Da reden wir gleich noch ein bisschen ausführlicher drüber. Stephanie, jetzt erst mal zu dir. Wie war das bei dir? Warum hast du dich damals für die Augenoptik entschieden?
Stephanie [00:05:25] Ich wusste überhaupt nicht, was ich wollte. Ich hatte ganz viele Ideen und bin über das Arbeitsamt dann zu einer Beratung. Und dann hat man so geguckt, welche Fähigkeiten habe ich. Und dann ist man irgendwie auf Augenoptik gekommen. Und in meiner Familie werden auch Brillen getragen. Da sind sehr hohe Fehlsichtigkeiten vorhanden. Und da habe ich gefunden, ja, dann mache ich halt mal Augenoptika. Das vereint so vieles, was Ich möchte. Ich bin auf keinen Fall so ein Stillsitzer. Ich muss an Kunden, ich muss mit Menschen zu tun haben. Und deswegen bin ich zur Augenoptik gekommen.
Tobias [00:05:51] Du hast nach deiner Meisterschule dann nicht nur in Deutschland nach einer Stelle gesucht, sondern auch gleich in Paris, New York und in Brasilien. Was hat dich dazu gebracht, so groß zu denken?
Stephanie [00:06:02] Keine Ahnung, ich bin einfach so jemand, der so denkt, ich sag ja ich bin nicht so gradlinig und ich hab einfach gefühlt, jetzt steht mir die Welt offen und jetzt guck ich mal, wo ich hin kann und ich bewerb mich mal weltweit, ich wusste auf jeden Fall, ich will weg.
Tobias [00:06:13] Konntest du denn die Sprachen überhaupt?
Stephanie [00:06:15] Nee, aber da bin ich eben sehr entspannt unterwegs, ich hab gefunden, man kann alles lernen, auch Sprachen und deswegen hab ich gedacht, ich mach das einfach mal so.
Tobias [00:06:21] Das klingt für mich jetzt so, als wärst du jemand, der ganz gerne mal ins Risiko geht.
Stephanie [00:06:25] Vielleicht, ja, ich weiß es nicht. Ich empfinde mich nicht so, aber andere Menschen empfinden mich vielleicht so.
Tobias [00:06:31] Wir reden gleich weiter darüber. Janna, du warst mit 23 schon Meisterin, haben wir eben gesagt, und einen Meistertitel zu haben bedeutet bei viel man ja sehr gute Chancen, auch eine Hörakustikleitung zu übernehmen. War das von Anfang an eigentlich dein Ziel?
Janna [00:06:43] Ja, das war auf jeden Fall von Anfang an mein Ziel, dass ich eine eigene Abteilung bekomme und die dann auch selber leiten darf. Genau, ich hatte auch Ideen im Kopf, was man dann so machen könnte, was man dann selber verwirklichen kann in so einer eigenen Abteilung. Ja, man kann ja dann auch einiges selbst mitgestalten im Team.
Tobias [00:06:58] Aber bevor du gestalten konntest, gab's erst mal einen kleinen Schock, denn schon am zweiten Tag hat dein Geselle gekündigt. Das war bestimmt kein leichter Start, oder?
Janna [00:07:05] Nee, das war auf gar keinen Fall ein leichter Start. In der Abteilung gab es ein paar Herausforderungen, als ich dort die Leitung übernommen habe. Und ich sag mal so, es musste quasi erstmal aufgeräumt werden. Aber das habe ich auch geschafft, zusammen mit meinem Vorgesetzten. Also die Regionaleitung hat mich da auch immer gut unterstützt. Und ja, dann ist die Abteilungen auch gut nach oben wieder gegangen.
Tobias [00:07:26] Ihr habt beide Chancen genutzt, bei denen ihr vermutlich noch nicht genau wusstet, ob ihr der Aufgabe schon vollständig gewachsen seid. Muss man beruflich manchmal "Ja" sagen, bevor man sich eigentlich vielleicht auch selbst wirklich bereit dazu fühlt? Fangen wir mit dir an, Janna.
Janna [00:07:41] Also man muss auf jeden Fall ja immer die Chancen nutzen, die einem gerade gegeben werden. Und wenn man dann selber noch nicht ganz so bereit ist vielleicht, dann wächst man da auf jeden fall ja auch mit hinein. Und ich denke mal, dadurch wächst ja auch einfach selber. Und das finde ich immer ist wichtig.
Tobias [00:07:56] Stephanie, wie siehst du das?
Stephanie [00:07:57] Da kann ich Janna nur recht geben, ich sehe das genauso. Ich finde immer jeder wächst mit seinen Aufgaben und vielleicht ist es das, was du vorhin mit Risikobereitschaft gemeint hast. Ja, ich finde auch, man sagt einfach mal "Ja" und guckt, was passiert, was soll schon passieren. Fehler kann man ja machen und es ist ja auch in Ordnung, das man die macht.
Tobias [00:08:12] Lass uns sprechen über wichtige Entscheidungen auf dem Karriereweg. Stephanie, bei dir war das auf jeden Fall der Entschluss, im Ausland zu arbeiten. Am Ende ging es dann für dich nicht nach Brasilien oder in die USA, sondern in die Schweiz. Wie viel Mut braucht es, für den Beruf in ein anderes Land zu gehen?
Stephanie [00:08:29] Im Nachgang würde ich vielleicht sagen, etwas mehr Mut, aber zu dem Zeitpunkt, als ich das machen wollte, habe ich überhaupt nicht über Mut nachgedacht, sondern ich wollte einfach wirklich eine Veränderung in meinem Leben herbeiführen und habe gefunden, jetzt bin ich ausgebildet bis an die Zähne oder ich dachte das zumindest zu dem Zeitpunkt und deswegen stehen mir alle Türen offen und ich wollte auf jeden Fall was Neues, neues Land, neues Leben, neue Leute irgendwie kennenlernen.
Tobias [00:08:52] 1999 bist du dann von einer kleinen Optikerkette gewechselt zu Fielmann und wurdest auch relativ zügig stellvertretende Niederlassungsleitung und hattest dann hoffentlich zum ersten mal keine Langeweile mehr, oder?
Stephanie [00:09:02] Ja, richtig. Ich hatte tatsächlich bei dem Tradi ziemlich viel Zeit. Da habe ich dann meinen Tauchscheine alle nebenbei gemacht, weil ich auch einen neuen Sport erlernen wollte. Und dann bin ich 99 zu Fielmann gewechselt. Interessanterweise kann man dazu sagen, der Vorgänger von dem Laden, wo ich war, der ist auch bei Fielmann gewesen und dem bin ich eigentlich hinterhergegangen. Und bin dann 99 dorthin. Und ich glaube, 2000 war ich dann schon stellvertretende Leiterin von der Niederlassung am Marktplatz.
Tobias [00:09:27] Ich sprach gerade das Wort Langeweile an. Ist Langeweile bei dir so ein Faktor, wo du dann links oder rechts abbiegst?
Stephanie [00:09:33] Ja, ich glaube Langeweise ist ganz schlimm für mich.
Tobias [00:09:36] Die nächste Abzweigung, die überraschend auf deinem Karriereweg auftauchte, war die Leitung einer Lehrwerkstatt. Du bist also Ausbilderin geworden. Was hat dich daran gereizt?
Stephanie [00:09:45] Tatsächlich wollte ich ganz ursprünglich, bevor ich Augenoptik gemacht habe, ins Lehramt. Ich wollte Grundschullehrerin werden, also ich hatte irgendwie schon immer die Vision, Leuten was beizubringen, scheinbar. Deswegen fand ich eigentlich, Lernende ausbilden oder ja, Leuten mein Wissen, meine Kenntnis weitergeben, fand ich eigentlich immer interessant, das hat mir immer Spaß gemacht und deswegen habe ich die Chance ergriffen, als es hieß, in der Schweiz wird eine Lehrwerkstatt eröffnet, 2001, und man hat mich direkt angesprochen, ob ich da zu Lust hätte und da habe ich direkt gesagt: "Klar mache ich."
Tobias [00:10:14] Das war natürlich immer noch nicht die Endstation, wie es weitergeht, das klären wir gleich. Erst mal zurück zu dir, Janna. Du leitest inzwischen seit mehreren Jahren die Hörakustik in Emden. Inzwischen bist du nicht mehr überall und immer die Allerjüngste. Wie hast du dich in dieser Zeit weiterentwickelt?
Janna [00:10:30] Also ich habe mich auf jeden Fall insofern weiterentwickelt, dass ich Routine reinbekommen habe in die Leitung. Ich habe auch noch eine Meisterschülerin, das sind sogar zwei, und mehrere Auszubildende ausgebildet. Dieses Jahr ist meine erste Auszubilde, die ich von Anfang an ausgebildet habe, auch fertig geworden mit ihrer Ausbildung. Und das auch sehr erfolgreich. Genau, nebenbei habe ich auch privat noch weitere Fortbildungen gemacht, die die Akustik betreffen, um eben immer dran zu bleiben und Neues zu lernen in der Akustik.
Tobias [00:10:58] Privat heißt, dass du sie selbst finanziert hast?
Janna [00:11:01] Nee, mit Hilfe der Handwerkskammer. Über die Handwerkkammer habe ich eine Förderung bekommen durch meinen Bundesieg und durfte darüber auch in dem Bereich Hörakustik Fortbildung machen. Und deswegen habe ich ein Fortbildung für Tinnitus gemacht und auch für die PET-Akustik, also um Kinder auch versorgen zu können.
Tobias [00:11:20] Ja. Ich bin immer ganz begeistert davon, wie schnell und wie zielstrebig du das gemacht hast als Hörakustikleiterin eines eigenen Akustikstudios. Hast du aber ja natürlich nicht nur die Aufgabe, Personal zu führen, sondern du hast auch die Möglichkeit, was zu verändern und neu zu gestalten. Was hast du in deiner Zeit als Leiterin bis jetzt neu gestaltet?
Janna [00:11:41] Also ich habe einiges neu gestaltet, das fängt zum Beispiel schon bei der Lagerhaltung an. Dann die Dienstplangestaltung, Anschaffungen, die erforderlich sind für so eine Abteilung. Und ja, also letztendlich muss man ja jede Woche gucken, was läuft gerade gut, wo gibt es Verbesserungspotenzial und muss dann immer das anpassen. Das kann man auch gar nicht so vorhersagen und genau, es muss einfach am Ende alles laufen und sich eben positiv entwickeln. Das ist die Hauptsache, denke ich.
Tobias [00:12:13] Stephie, wir kommen zu deiner nächsten Abzweigung. Du hast dich dann nach einiger Zeit dazu entschieden, dass die Ausbildung in der Lehrwerkstatt vielleicht doch nicht 100% deine Sache ist. Warum?
Stephanie [00:12:25] Tatsächlich, wenn man nur noch mit jungen Menschen arbeitet, kriegt man vielleicht nicht immer so ein Feedback, wie man das gerne hätte. Die sagen ja ganz selten, wie cool hast du mich ausgebildet? Das war so toll die drei Jahre, sondern oft hört man ja, es war alles so anstrengend, es war so schwierig. Und dann wollte ich mal wieder mit erwachsenen Menschen zu tun haben. Deswegen habe ich gefunden, ich muss noch mal zurück in den Laden.
Tobias [00:12:45] Und dann hast du dich danach auch noch entschieden, in die Hörakustik zu wechseln. Also noch mal ein Gamechanger. Auch da hast du deinen Meister gemacht. War die Ausbildung, also das Lernen, mit Mitte 40 anders als mit 20.
Stephanie [00:12:58] Auf jeden Fall, viel schwerer. Ich muss das viel häufiger wiederholen, die Sachen. Aber mit 40 wusste ich ja über meine Stärken und Schwäche Bescheid und konnte damit eben auch entsprechend umgehen. Ich habe total anders gelernt als in meinen Jahren davor. Vielleicht auch begeisterter, weil ich wusste, wofür ich das mache. Und es hat mich halt auch sehr interessiert. Und ich war überhaupt froh, dass ich die Chance bekommen habe, nochmal was zu machen und insofern. Musste ich dafür einiges investieren. Wir haben in diesem Jahr, wo ich das gemacht habe, keinen Urlaub gemacht, weil ich die Zeit zum Lernen genutzt habe. Aber es hat mir Spaß gemacht. Es hat mich erfreut.
Tobias [00:13:31] Kommt ja dann auch noch eine Sache zu. Du hattest vorher jahrelange Erfahrung in der Augenoptik und auf einmal bist du wieder Berufsanfängerin. Wie hat sich das angefühlt?
Stephanie [00:13:41] Gut für mich, weil ich gefunden habe, ja, ich werde mal wieder an die Situation erinnert, wie alle Lernenden, dass ich eben auch wieder zurück auf die Stufe der Lernendenn gehe und mich in die gleiche Situation begebe. Das fand ich eigentlich spannend und ich bin so jemand, für mich ist immer so Vorleben eine ganz wichtige Sache und deswegen fand ich das gut, dass sich mich selbst wieder in die Rolle einer lernenden Person hineinbegeben habe.
Tobias [00:14:03] Du warst eigentlich noch ganz frisch in der Akustik, hast dann aber sofort angefangen die Ausbildung zum Hörsystemakustiker, so heißt das in der Schweiz, weiterzuentwickeln. Wie hast du das gemacht?
Stephanie [00:14:14] Es wurden Leute gesucht... In der Schweiz ist der Beruf oder der Geselle, wie es in Deutschland ist, den gab es in der Form nicht. Es gab nur eine Form der Weiterbildung für Erwachsene und man wollte eben eine berufliche Grundbildung implementieren und hat Leute gesuchte, die da mitarbeiten und wie das halt so ist, man tritt immer an die Großen heran. Also wurde auch an Fielmann herangetreten, gefragt, habt ihr jemanden, der da mit arbeiten kann und das ist klar, dass die Wahl auf mich gefallen ist.
Tobias [00:14:38] Dann hat die Stephie gleich wieder aufgezeigt, ne?
Stephanie [00:14:39] Genau, ich bin für solche Sachen immer offen, das weiß auch jeder. Und ja, da habe ich "Hier" gerufen und hatte die Chance da wirklich mitzugestalten.
Tobias [00:14:47] Janna, wenn du so einen turbulenten Karriereweg anhörst, was geht dir durch den Kopf?
Janna [00:14:52] Dass es einfach ganz unterschiedliche Karriereweg gibt und die Menschen sind ja auch alle unterschiedlich und deswegen ist es auch ganz normal, denke ich, dass die einen eben mehr Abzweigung nehmen für die Karriere und die anderen das eben quasi grader machen. Es muss einfach zu jedem passen und wenn ich dich so anschaue, das passt einfach eben zu dir. Das ist ganz klar.
Tobias [00:15:13] Ihr beide seid 32 Jahre auseinander. Was würdet ihr sagen? Was kann die jüngere Generation von der älteren lernen und was die ältere von der jüngeren? Fangen wir mit dir an, Janna.
Janna [00:15:22] Also auf jeden Fall eben diese ganzen Erfahrungen im Leben, das kann ich mir auf jeden Fall ja abschauen. Ja, auf jeden fall auch mit dem im Ausland die Erfahrung ist denke ich auch was, was jetzt nicht jeder hat, vor allem noch nicht unbedingt in jungen Jahren und eben diese ganzen verschiedenen Bereiche jetzt auch, ob jetzt in der Niederlassung selbst, ob in einer Zentrale oder in einer Lehrwerkstatt. Das kann ich auf jedenfall abschaun, weil dadurch hat man ja auch einige Erfahrungen, die man so zusammenfügen kann, dann... Für die Zukunft, denke ich mal.
Tobias [00:15:55] Und was für Input, sag ich mal, holst du dir, Stephie, von jüngeren Kollegen?
Stephanie [00:16:00] Ich finde erst mal bewundernswert, wie Janna in so jungen Jahren so zielstrebig sein kann. Das finde ich Hammer und finde es auch toll. Also, ich nehme damit für mich mit, dass man ja junge Menschen vielleicht noch stärker auch motivieren kann und wenn man auch von solchen Karrieren dann vielleicht erzählen kann... Sagen: "Ich habe da mal jemanden getroffen, die ist sehr schnell da ihren Weg gegangen, das bewundere ich, fühle ich super, gefällt mir extrem gut." Und... Ich hätte jetzt auch keine Mühe, wenn ich mal was wissen müsste oder so zu sagen, ich rufe mal Janna an, weil die hat das alles schon gemacht und die kann mir da einen Tipp geben oder die kann da weiterhelfen, wenn nicht was wissen will.
Tobias [00:16:32] Stephie, die letzte Frage kann ich wahrscheinlich eigentlich nur dir stellen, wenn du heute deinem jüngeren Ich am Beginn der Ausbildung einen einzigen Rat für den beruflichen Weg geben könntest. Welcher wäre das?
Stephanie [00:16:45] Locker bleiben. Nach vorne gucken. Alles ausprobieren.
Tobias [00:16:47] Kurz, knackig, präzise. Janna, gibt es aus jetziger Sicht auch etwas, dass du deinem, ja, dann leider nur ein paar Jahre jüngeren Ich mit auf den Weg geben würdest?
Janna [00:16:56] Das auf jeden Fall. Dass man einfach auf sein Gefühl hören sollte. Und was ich sehr gut finde, dass ich damals darauf gehört habe, zu sagen: "Okay, ich mache erst mal ein Jahr als Gesellin und gehe nicht direkt weiter in die Meisterschule, ohne quasi in der Niederlassung auch mal richtig gearbeitet zu haben in dem Beruf." Und das würde ich auch meinem Jüngeren so wieder mitgeben, dass das die richtige Entscheidung war für mich.
Tobias [00:17:18] Janna, Stephie, ganz herzlichen Dank für euren Besuch. Es war richtig toll, dass ihr uns mal ein Stück auf eurem Karriereweg mitgenommen habt.
Stephanie [00:17:25] Danke, mir hat's viel Spaß gemacht.
Janna [00:17:26] Mir hat es auch viel Spaß gemacht und vielen Dank, dass wir dabei sein durften.
Tobias [00:17:29] Und ich finde, was man hier ganz klar sehen kann, Karrieren können sich sehr voneinander unterscheiden. Es gibt nicht die eine richtige Richtung, die man einschlagen muss, um erfolgreich zu sein. Und jetzt frage ich doch nochmal ganz kurz euch beide, in einem Satz, was ist das Wichtigste, um dauerhaft und lange Freude in seinem Beruf als Akustiker zu haben?
Stephanie [00:17:51] Offen auf Menschen zugehen, tolerant sein und jedem offen und freundlich begegnen.
Janna [00:17:58] Das kann ich auf jeden Fall nur bestätigen. Und was mir auch immer ganz viel gibt, ist eben zu sehen, wenn man selber jemanden ausbildet und sein Wissen weitergibt, dass die Person dann auch diese Freude daran hat, die Hörakustik zu lernen und weiter zu bringen. Das finde ich für sich selber auch immer ein sehr schönes Feedback.
Tobias [00:18:13] Und ich finde, das war ein sehr schönes Schlusswort. Ganz, ganz herzlichen Dank. Das war sie, die erste Folge der zweiten Staffel von "Hearing Connects". Mein Name ist Tobias Plöger. Ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder mit dabei seid. Bis dahin dürft ihr sehr gerne unseren Podcast liken. Ihr könnt uns auch schreiben, wenn Ihr Lob, Kritik oder Themenwünsche habt. Schreibt an podcast@fielmann.com. Danke fürs Zuhören und wie hören uns.