#2 Über Chancen, Motivation und Mut: Zwei Karrieregeschichten aus der Hörakustik
Station voice [00:00:01] Willkommen bei Hearing Connects, dem Podcast für Hörakustik von Fielmann.
Tobias [00:00:16] Ist ja tatsächlich so. Hören verbindet. Ohne das Gespräch mit anderen ist es viel schwieriger, wirklich zu connecten. Klar, das geht auch schriftlich oder durch Gestik und Mimik. Mit Worten ist es aber einfacher. Und deshalb ist gutes Hören, also das, was viele von euch sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, eben so enorm wichtig. Aber wie bleibt diese Aufgabe ein ganzes Berufsleben lang auch spannend und herausfordernd? Was könnt ihr tun? Um euch im Job des Akustikers weiterzuentwickeln. Das alles wollen wir erklären hier bei Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger, ich bin Head of Communications bei Fielmann und ich freue mich, dass ihr dabei seid. Heute habe ich mir Hilfe dazu geholt. Mara Schulz ist Hörakustiker-Meisterin und Leiterin eines Hörakustikstudios bei Fielmann und ich freu mich, dass ich dich heute an meiner Seite habe. Hallo Mara!
Mara [00:01:07] Hallo, ich freu mich, hier zu sein.
Tobias [00:01:09] Mara, was findest du an deinem Beruf so spannend?
Mara [00:01:13] Jeder Tag ist unterschiedlich. Also auch wenn ich jeden Tag das gleiche mache, habe ich aber jedes Mal einen anderen Kunden vor mir sitzen. Jeder ist individuell und das finde ich total spannend daran, dass man auch für jeden Kunden eine andere Lösung suchen muss.
Tobias [00:01:26] Dieses Gefühl als Akustiker helfen zu können, dass jemand wieder, ja, man kann sagen, besser am Leben teilnehmen kann überhaupt, wie wichtig ist das für dich?
Mara [00:01:34] Das ist mir super, super wichtig, weil ich ja dafür da bin, um genau dieses Gefühl den Kunden auch mitzugeben. Also, dass sie glücklich & zufrieden rausgehen, um beim nächsten Mal wieder zu kommen und zu sagen, ich höre wieder viel mehr, ich höre die Vögel zwitschern, das Rauschen des Windes, das ist total toll.
Tobias [00:01:50] Aber wie gehst du damit um? Die kommen ja im ersten Moment und wollen eigentlich gar nicht zu dir. Und du musst sie ja im Grunde dazu bringen, aus einer schlecht gelaunten Verfassung, nach dem Motto, Mist, ich brauch ein Hörsystem, dahin zu bringen, dass sie zufrieden aus deinem Studio wieder rausgehen.
Mara [00:02:06] Ich persönlich mache das ganz oft so, dass man sehr offen damit umgeht und ihnen ein bisschen versucht die Angst auch zu nehmen. Schauen Sie mal heutzutage moderne Hörsysteme, die können super viel, die sind super klein, um ihnen auch schon mal bildlich etwas zu zeigen, um dann manchmal auch ein bisschen frech zu sein mit den Kunden. Das ist für mich immer voll so ein Icebreaker, dass man dann merkt, die zieht man so richtig auf seine Seite dann in dem Fall.
Tobias [00:02:29] Gab es für dich mal so ein Schlüsselerlebnis, wo du sagen würdest, oh ja, das war der beste Tag meiner beruflichen Laufbahn.
Mara [00:02:35] Der beste Tag, es war auf jeden Fall ein prägender Tag. Es war in der Ausbildung noch einer meiner ersten Kunden, die ich alleine gemacht habe, der dann vor mir saß und ein bisschen anfing zu weinen, weil er wieder hören konnte oder viel mehr hören konnte als vorher. Und dann musste ich dann auch ein, zwei Tränen verdrücken.
Tobias [00:02:51] Du hast gleich mitgemacht.
Mara [00:02:52] Ich bin total emotional dann immer und wenn Kunden dann auch vor mir sitzen und dann spürbar emotional werden, dann fühle ich mich immer mit.
Tobias [00:02:59] Passiert dir das heute auch noch?
Mara [00:03:00] Vielleicht.
Tobias [00:03:02] Also nicht heute, sondern heutzutage.
Mara [00:03:03] Ach so, genau. Ja, heutzutage. Auch da noch, auch da noch.
Tobias [00:03:07] Geht's euch da draußen auch so? Also euch, die ihr jetzt gerade zuhört, dass euch einfach mal die Tränen kommen oder ihr einfach stolz und total glücklich seid in diesem Beruf, dann könnt ihr uns schreiben an podcast@fielmann.com. Wir freuen uns darauf, auch eure Geschichten erzählen zu können und sind einfach total gespannt auf eure Erlebnisse, Erfahrungen und eure Meinung. Auch wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne bei uns. Bevor wir gleich noch einen zweiten Besucher im Studio haben, Mara, du bist noch nicht mal 30 und du leitest schon eine eigene Abteilung vor Hörakustik, hast deine eigenen Mitarbeitenden. War das immer dein Ziel? Also das ist ja schon ganz schön früh, oder?
Mara [00:03:44] Ja, es ist früh. Es war nicht immer mein primäres Ziel, aber jetzt bin ich da, wo ich bin, wirklich glücklich mit meiner Position und auch froh, dahin gekommen zu sein. Also für mich war klar, dass ich den Job auf jeden Fall gefunden habe, den ich machen möchte. Ich liebe meinen Job wirklich sehr. Vom immer Geselle bleiben war ich auch nicht so angetan in dem damaligen Moment, sondern wollte schon noch weiterkommen. Aber dass ich jetzt wirklich da bin, eine eigene Abteilung habe, die ich leite mit Mitarbeitern, war nicht mein primäres Ziel. Aber ich bin froh da zu sein!
Tobias [00:04:12] Ja, über deine Karriere sprechen wir gleich noch ein bisschen mehr. Jetzt aber erst mal zu unserem zweiten Gast. Mara und ich werden unsere Fragen zum Thema Karrieren in der Hörakustik heute jemandem stellen, der gerade einen echten Sprung gemacht hat. Ben Oppat ist seit wenigen Monaten Regionalleiter der Hörakustik bei Fielmann. Er betreut 36 Akustikstudios als Vorgesetzter. Grüß dich, Ben.
Ben [00:04:34] Hallo Tobi, grüß dich, vielen Dank, dass ich da sein darf.
Tobias [00:04:36] 36 Studios, 160 Mitarbeitende, für die du verantwortlich bist, das klingt nach einem Berg Abeit. Wie funktioniert das?
Ben [00:04:44] Das ist auch ein Berg Arbeit, keine Frage. Man muss sich wirklich selber gut organisieren und auch ganz klar Prioritäten setzen. Wo wird die eigene Arbeitsleistung jetzt gerade benötigt? Ist irgendwo Not am Mann? Oder kann ich proaktive Entscheidungen treffen, wo ich meine Leistungen selber am besten gerade nutzen kann? Und dann kommt man da ganz gut durch. Aber es gibt eben Tage und Wochen, da denkt man sich, Mensch, ist schon hart und dann gibt es auch eben wieder Zeiten, wo es ein bisschen ruhiger ist.
Tobias [00:05:12] Ich kann mir vorstellen, bei 36 verschiedenen Geschäften, die du auch abklappern musst in Person, bist du schon ein ziemlicher Kilometerfresser auf der Autobahn, oder?
Ben [00:05:20] Das kann man so sagen, ja, das ist richtig. Ja, da sind schon die eine oder anderen Stunden, die ich auf der Autobahn verbringe und die kannst du natürlich immer ganz gut nutzen für Telefonate und dir immer ein paar Gedanken über bestimmte Themen machen, aber auch zum Podcast hören. Ich bin viel im Auto unterwegs. Das muss man wollen, anders geht's nicht.
Tobias [00:05:38] Wie viel fährst du?
Ben [00:05:39] Ach, das kommt immer ganz darauf an, wo meine Termine aktuell liegen. Ich lebe so ziemlich in der Mitte meines Betreuungsgebiets an der Grenze zu Köln. Und ich sag mal ne Stunde, anderthalb, das sind so die kleineren Strecken und dann geht das so bis zweieinhalb, drei Stunden one way, also hin und auch wieder zurück und wenn dann die Arbeitsteile zu lang werden, dann habe ich auch die Möglichkeit eben auswärts zu übernachten.
Tobias [00:06:02] Ja, so richtig verzweifelt siehst du jetzt bei dem ganzen Stress auch trotzdem nicht aus.
Ben [00:06:06] Nein, es macht doch wahnsinnig viel Spaß.
Tobias [00:06:08] Was würdest du sagen, sind die wichtigsten drei Dinge, die man braucht, um Karriere in der Hörakustik zu machen?
Ben [00:06:14] Es ist gar nicht so einfach, sich da auf drei zu konzentrieren. Was ist das Wichtigste? Du musst ein Menschenfreund sein. Also wir arbeiten ja wirklich zu 95 Prozent unserer Zeit mit Kunden. Das heißt, du musst eine Veranlagung haben, einfach Menschen zu mögen und die kennenzulernen. Das gilt sowohl für unsere Kunden als auch für unsere Mitarbeiter. Das ist schon mal ganz, ganz wichtig aus meiner Sicht.
Tobias [00:06:34] Das ist Nummer eins, okay.
Ben [00:06:35] Das ist Nummer eins, genau. Punkt zwei, du brauchst auf jeden Fall eine gewisse Dienstleistungsbereitschaft. Tu immer ein bisschen mehr, als vielleicht erwartet wird, dann wird es dir am Ende gedankt. Ich glaube, du hast die Erfahrung, Mara, wahrscheinlich auch gemacht in der Praxis, wenn man einen Kunden nicht nur zufrieden stellt, sondern auch begeistert, dann kriegst du da ganz viel zurück und dann macht dieser Beruf auch richtig Spaß. Also Dienstleistungsbereitschaft steht auf Nummer zwei. Ja, und wenn du auch erfolgreich sein willst, dann musst du natürlich auch ein gewisses wirtschaftliches Denken mitbringen. Also unsere Mitarbeiter in der Niederlassung sind ja Unternehmer vor Ort, sprich, da gibt es eine ganz große Entscheidungsfreiheit eben auch, wie man an die Sache rangeht. Ein Auge sollte immer auf den Zahlen noch bleiben, dass wir also auch wirtschaftlich sind und am Ende auch ein gewisser Ertrag dabei entsteht.
Tobias [00:07:17] Okay, wir haben gesagt, man muss Menschen mögen. Wir haben gesagt Dienstleistungsbereitschaft und wirtschaftliches Denken. Hast du diese Attribute alle?
Ben [00:07:26] Sonst sitze ich wahrscheinlich heute nicht hier, wo ich sitze.
Tobias [00:07:29] Mara, würdest du zustimmen? Sind das die wichtigsten Attribute oder kommen noch andere dazu?
Mara [00:07:33] Für mich ist halt auch ganz klar wichtig, Kommunikation im Sinne mit den Kunden einfach zu haben, weil die Kunden kommen ja in der Regel und hören nicht mehr ganz so gut, dass man auch da einfach von vornherein weiß, worauf man sich einlässt, dass man auch lernen muss, wirklich klar und deutlich zu sprechen, manchmal vielleicht auch ein bisschen lauter einfach mit Kunden, ohne dass man das jetzt irgendwie böse meint dann in dem Fall. Aber klar, man muss auf jeden Fall ein Menschenfreund sein, sonst ist man glaube ich in dem Beruf definitiv nicht ganz richtig.
Tobias [00:08:00] Ben, lass uns mal teilhaben an deinem beruflichen Weg. War das eine gerade Straße oder war das eher so ein Schlingerpfad?
Ben [00:08:08] Sowohl als auch. Also das Schöne ist, dass ich ja immer weitergetragen wurde. Es hat sich immer die nächste Tür aufgemacht, wenn ich das Gefühl hatte, jetzt dürfte es auch weitergehen. Das ist also schon sensationell. Angefangen habe ich als Lehrling im Jahr 2003. Ich habe meine Augenoptikerlehre absolviert, damals in Dinslaken und bin da also ganz naiv reingerutscht. Ich war als Kind schon Brillenträger und wollte wissen, wie denn der Optiker meine verknotete Fassung wieder gerade bekommt - ein ganz banaler Gedanke, dann ging die Reise damals 2003 los.
Tobias [00:08:38] Und wie bist du dann zur Hörakustik gekommen?
Ben [00:08:41] Also in mehreren Jahren in der Augenoptik hatte ich dann auch die Meisterprüfung absolviert und hatte auch in der Niederlassung, in der ich damals tätig war, auch schon viel Verantwortung. Und naja, ich stand dann für mich an einer gewissen Kreuzung im Leben. Wie machst du jetzt weiter? Möchtest du die Augenoptik weiter vertiefen und in die Führung im Bereich der Augenoptik gehen? Ich hätte mich also bewerben können als Niederlassungsleiter oder stelle ich mich vielleicht fachlich noch breiter auf? Und da ich auch noch, ich war Mitte 20, also das ist ja wirklich schon... Etwas länger her und ich habe mich dafür entschieden.
Tobias [00:09:10] Das sieht man aber nicht, ne?
Ben [00:09:11] Danke, danke. Sehr nett. Genau. Ich habe mich einfach damals entschieden, dass ich mich fachlich breiter aufstelle und habe geschaut, Mensch, was ist denn artverwandt? Und artverwandt zum Auge war das Ohr und dann bin ich in diese Richtung gekommen. Ich hatte einen ganz tollen Support durch Fielmann damals. Ihr müsst euch vorstellen, ich habe mir erstmal den Weg so privat aufgebaut und überlegt, Mensch wenn ich jetzt hier kündige, wie viel Geld brauche ich eigentlich zum leben und dann gehe ich dann in die Meisterschule und bereite mich darauf vor und... Dann kam mein damaliger Regionalleiter auf mich zu und sagte, mensch, weißt du, wir haben doch ein Förderprogramm bei Fielmann, kennst du das noch gar nicht? Ich sagte, nein, das kenn ich noch nicht. Die haben gesagt, wir wollen ganz groß expandieren und ich sag, alles klar, ich bin dabei. Und dann hatte ich innerhalb von sechs Wochen einen neuen Job.
Tobias [00:09:50] Aber wir hören schon raus so ein bisschen, der Regionalleiter scheint ein Job zu sein... Bei dir, Mara, war es dein Förderer auch ein Stück weit und bei Ben letzten Endes auch... Wir kommen gleich noch auf diese Rolle, wie man Mitarbeiter fördert, was auch Mitarbeitende selbst tun können, um gefördert zu werden. Aber nochmal zurück zu dir, Ben. War es für dich im Nachgang der richtige Schritt, aus der Augenoptik in die Hörakustik zu gehen?
Ben [00:10:14] Absolut. Also definitiv. Ich habe mich ja in der Zeit viel breiter aufgestellt, habe mein Umfeld komplett verändert. Meine Aufgaben sind in der Hörakustik andere, als sie in der Augenoptik waren. Ich bin da richtig aufgelebt. Also ich habe den Schritt nie bereut.
Tobias [00:10:29] Und du bist jetzt insgesamt seit 22 Jahren bei Fielmann, hattest nie einen anderen Arbeitgeber, warum?
Ben [00:10:36] Du, weißt du, wenn du dich wohlfühlst, warum sollst du nach was anderem schauen? Um das nochmal zu beschreiben, wir haben es gerade auch bei Mara gehört, ne? Also ich hatte in meiner Laufbahn bei Fielmann auch tatsächlich immer Vorgesetzte, die mir die nächste Tür aufgemacht haben.
Tobias [00:10:47] Seid ihr beide eine Ausnahme mit dieser reinen Fielmann-Karriere oder passiert das öfter?
Ben [00:10:53] Definitiv, ja. Wir sind ja ein Familienunternehmen und das steht nicht nur oben über der Firmenzentrale, sondern das wird gelebt in den Niederlassungen. Das ist also wirklich so, du kommst am ersten Tag an und du wirst wie ein Familienmitglied aufgenommen und empfangen und so wirst du durch dein...
Tobias [00:11:06] Das heißt, als allererstes wird dir gesagt: Geh mal putzen, räum mal die Küche auf.
Ben [00:11:13] Gewisse Aufgaben müssen erledigt werden, aber ich glaube, man hört raus, wie ich das meine, ja? Also du fühlst dich von Anfang an wohl, du fühlst dich willkommen, du fühlst dich wie in einer Familie und man sorgt füreinander und fühlt sich wohl.
Tobias [00:11:27] Fielmann ist ja bereits seit vielen Jahren Anbieter für Hörakustik. Viele hatten das aber lange gar nicht auf dem Radar. Wie hast du diesen Wandel erlebt, als Fielmann eben auch immer mehr auf Hörakustik gesetzt hat?
Ben [00:11:39] Total aufregend, weil die Mitarbeiter, die das Unternehmen auch nur als Augenoptikbetrieb kennen, die sind wahnsinnig neugierig, was denn da jetzt in ihren Räumlichkeiten, die sie ja nun seit Jahren kennen, Neues passiert. Ich erlebe das immer bei den Neueröffnungen, dass da eine extreme Neugierde da ist...
Mara [00:11:59] ...Ich muss auch sagen, ich habe im Februar 2023 die Abteilung eröffnet in Schnelsen und kam da an und die Kollegen aus der Optik hatten drei DINA-4-Seiten voll mit Kunden, die ich abtelefonieren durfte, weil die alle unbedingt zu uns wollten. Die haben nur darauf gewartet und das war total toll.
Ben [00:12:13] Das ist mega, das erlebe ich auch. Also man kann sehen, dass die Kunden einfach auch zu uns kommen möchten, weil sie eben gute Erfahrungen bei ihrer Brille gemacht haben mit Fielmann. Denn der Name Fielmann ist bekannt, er steht für eine hohe Qualität, er steht für Zuverlässigkeit und dass sie nun auch das Hörsystem bei uns erwerben können. Und einen Anbieter haben, der sich um alles kümmern kann. Das ist doch toll.
Mara [00:12:32] Das ist das, was wir von vielen Kunden auch hören: Jetzt komme ich in ein Geschäft und habe aber beides da, kann mal eben hier nochmal mit der Brille, bin aber für mein Hörsystem auch schnell bei den Kollegen. Einfach super.
Ben [00:12:43] Und du spürst das auch bei den Mitarbeitenden, also die Neugierde ist da, kann ich vielleicht irgendwo unterstützen, kann ich was lernen, wie kann ich denn hier eine Batterie auswechseln oder so, also du merkst halt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach total interessiert sind und neugierig sind und das spricht ja auch dafür. Wir erweitern unser Portfolio, wir erweitern unsere Fähigkeiten vor Ort, wir können noch mehr Kunden erreichen und für alle ist das eine Win-Win-Situation.
Tobias [00:13:09] Wir haben ja eben schon, als wir zu Beginn über deinen Beruf gesprochen haben, über deinen Job selbst, gesagt, du bist viel mit dem Auto unterwegs. Nimm uns doch mal ein bisschen genauer mit in deinen Arbeitsalltag als Regionalleiter. Also was genau machst du? Was betrachtest du als deine vordringlichsten Aufgaben?
Ben [00:13:27] Das ist gar nicht so einfach in aller Kürze zu beschreiben, weil die Tage auch alle sehr unterschiedlich sind. Im Kern geht es ja darum, dass man den Erfolg der Hörakustikstudios sicherstellt. Und dazu hast du ja verschiedene Ansätze. Das fängt immer an beim Personal, finde ich. Also bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das ist so das A und O. Nur denen muss es gut gehen, die müssen auch da sein, die mussten auch fähig sein und die müssen motiviert sein und nur dann können wir auch erfolgreich arbeiten. Naja, meine Aufgabe ist es eben auch zu analysieren, also wo können wir besser werden? Also welche Hebel kann ich jetzt in Standort A bewegen, welche in Stand Ort B, welche in C? Und so baue ich eben meinen Alltag auf, dass kein Tag so abläuft wie der andere. Das ist total cool.
Tobias [00:14:12] Bei so vielen verschiedenen Niederlassungen - 36 betreust du - kannst du das ja nicht nach Schema F machen. Also du musst ja ganz genau wissen, in welchem Studio gibt es gerade welche Herausforderungen, welches Problem? Sind 36 nicht echt ein bisschen viel?
Ben [00:14:29] Ja, das habe ich mich auch gefragt und es waren kürzlich auch noch mehr, weil ich noch kommissarisch für weitere Niederlassungen zuständig war, aber es funktioniert, weil du ganz klar priorisierst. Es ist ja nicht so, dass jedes Hörakustikstudio jetzt einen Wahnsinnsbedarf permanent hat zu unterstützen, sondern du suchst dir im Grunde deine Prio-Standorte aus, wo du sagst, da lohnt es sich jetzt, dass ich meine Arbeitskraft reinlege. Ich meine, wir sind ja jetzt mittlerweile auch technisch ein bisschen weiter. Viele Gespräche muss man ja nicht unbedingt vor Ort führen, sondern hat ja auch die Möglichkeit, mal eben zum Beispiel per Teams einen Termin einzustellen und die Gespräche dann eben auch remote zu führen.
Tobias [00:15:06] Mara, welche Bedeutung hat der Regionalleiter für dich? Wir haben ganz am Anfang gehört, du bist durchaus schon mal gefördert worden von deinem Regionalleiter. Wofür benutzt du ihn jetzt sozusagen im Austausch?
Mara [00:15:19] Wenn ich vor einem Problem stehe, wo ich jetzt ad hoc für mich keine Lösung finde oder einfach auch Hilfe aus einem anderen Blickwinkel vielleicht nochmal brauche, dass ich dann weiß, ich kann jederzeit anrufen, ob über Teams oder Telefon oder was auch immer, dass ich da immer auch Rückendeckung bekomme.
Tobias [00:15:35] Musst du dir als Leiterin eines Akustikstudios alle deine Entscheidungen vom Regionalleiter absegnen lassen oder fällst du die alleine?
Mara [00:15:44] Nee, die fälle ich tatsächlich größtenteils alleine, wenn, dann habe ich auch immer noch als Ansprechpartnerin meine Niederlassungsleitung direkt hier im Laden und ansonsten, wenn es wirklich mal was größeres ist, wo wir beide vielleicht nicht weiter wissen oder wir sagen, ah, hm, dann auf jeden Fall die Regionalleitung.
Tobias [00:16:00] Ben, wenn wir deine Rolle als Regionalleiter nochmal anschauen, hat man ja das Gefühl, 24 Stunden des Tages sind ehrlicherweise nicht immer genug. Also du bist trotz Teams, trotz Videocalls, nach wie vor ein Vielfahrer, du wirst überall, wo du hinkommst, an sich auch dringend erwartet. Du bist Gesprächspartner, Vorgesetzter, Berater, Ausbilder, Vermittler, Entscheider.
Ben [00:16:20] Jetzt, wo du das so aufzählst, ist das eine ganze Menge tatsächlich.
Tobias [00:16:23] Ja, was macht dir am meisten Spaß?
Ben [00:16:25] Ja, so ein bisschen ist es tatsächlich Mutti für alles, ne. Also, manchmal ist das ja auch gut, wenn man vor Ort ist, in Niederlassungen, man das Gefühl hat, da werde ich vielleicht gar nicht gebraucht, aber einfach mal da zu sein und ein offenes Ort zu haben und auch mal mit den Mitarbeitenden zu sprechen und vielleicht nicht nur mit der Führungskraft vor Ort, sondern auch mal den Gesellen, den Auszubildenden, und diese auch mal einfach kennenzulernen und mal so zu prüfen, wer ist denn da, wer arbeitet denn hier so in den Teams, das ist halt super wertvoll. Also, dieser Informationsgehalt, den du rausziehen kannst, wenn du mal vor Ort bist und das Gefühl hast, ich hab jetzt einfach mal Luft und kann jetzt einfach mal gucken, wie ticken die denn hier überhaupt. Und das ist total spannend.
Mara [00:17:03] Ja, das finde ich auch ganz, ganz wichtig, muss ich sagen, dass du halt als Regionalleiter nicht nur dann mit mir als Führungskraft in dem Moment sprichst, sondern wirklich auch mit dem gesamten Team, weil manchmal sind dann ja vielleicht auch Sorgen und Nöte da, die dann anderweitig besprochen werden können. Finde ich ganz wichtig.
Tobias [00:17:16] Welche Rolle von den vielen, die wir eben aufgezählt haben, macht dir, Ben, am meisten Spaß?
Ben [00:17:22] Ist schon die Rolle des Zuhörers, tatsächlich. Also ich biete mich gerne als Gesprächspartner an und egal, wo man hinkommt, jeder hat einen gewissen Bedarf, mal auch Dinge loszuwerden, ob jetzt die Abteilung erfolgreich läuft oder auch mal nicht erfolgreich läuft. Du hast ein offenes Ohr und du gehst auf die Bedürfnisse deiner Mitarbeitenden ein und da kriegst du echt ganz, ganz viel Positives auch zurückgespiegelt und das finde ich ultra wichtig.
Tobias [00:17:46] Bevor wir gleich genau bei dem Thema, deine Kommunikation mit den Mitarbeitenden, was du für sie tun kannst, was die für dich tun können, noch mal ein bisschen tiefer reinschauen, würde ich gerne einmal auf deine Familie gucken, weil du eben so viel unterwegs bist, weil du permanent in Filiale A, Filiale B bist. Ist das für dich nicht auch ein bisschen schwierig, dass du so oft weg bist?
Ben [00:18:07] Das gehört einfach mit dazu. Ich habe beispielsweise einen kleinen Sohn, der wird nächste Woche fünf Jahre alt und ich habe das Gefühl, dass wir sehr viel Zeit miteinander verbringen dürfen. Ich bin zwar viel unterwegs, habe aber auch die Möglichkeit, fast jeden Abend zu Hause zu sein.
Tobias [00:18:25] Wie sammelst du, wenn du zuhause bist, Kraft? Für deinen aufreibenden Job?
Ben [00:18:30] Das kann sehr unterschiedlich sein. Ich brauche dann meistens noch mal einen kleinen Spaziergang, muss mal an die frische Luft kommen und mal durchatmen. Das kann auch mal eine kurze Runde mit dem Gravelbike sein oder eben mal der Spaziergang mit dem kleinen Sohn. Ja und im Moment bei mir tickt gerade so dieses Musikthema ganz groß. Also ich habe mir vor kurzem ein E-Drum Set gekauft und ein E-Piano. Ich war so naiv in der Vorstellung, man kann vielleicht beides parallel lernen, aber es macht unheimlich viel Spaß, sich da dran zu setzen und einfach mal so den Tag ausklingen zu lassen.
Ben [00:18:59] Okay, und deine Frau kommt dann nicht runter und sagt: Mensch, Ben, kannst du dich nicht lieber mal kochen, statt musizieren?
Ben [00:19:04] Nee, nee, nee. Da haben wir keine Sorge.
Tobias [00:19:07] Prima. Wie ist es bei dir, Mara? Was sind deine Hobbys, mit denen du dich so ein bisschen für den Alltag stärkst?
Mara [00:19:14] Ich lese unglaublich gerne, also wenn ich abends nach Hause komme, sitze ich meistens mittlerweile oben im Dachboden, den haben wir ausgebaut, in meiner Leseecke und hab da so mein kleines Reich und höre aber auch super, super gerne Musik und singe gerne auch lautstark mit - also da muss mein Freund dann durch. Der kriegt dann immer Privatkonzerte.
Tobias [00:19:35] Wenn wir jetzt mal auf deine Karriere schauen, Mara, also ich würde sagen, mit noch nicht mal 30 schon ein eigenes Team zu haben, eine Akustikabteilung zu leiten, das ist ja schon mal was. Aber du hast auch noch fast 40 Jahre Arbeit vor dir, wenn du sie voll ausschöpfst. Hast du schon sowas wie ein nächstes Ziel? Gibt es irgendwas, was du ansteuern möchtest?
Mara [00:19:58] Tatsächlich jetzt aktuell noch nicht. Also mein Ziel kurzfristig gesehen ist es wirklich einfach, meine Abteilung noch weiter voranzubringen, einfach auch meine Meisterschülerin aktuell so weit zu unterstützen, dass auch die dann demnächst in eine Leitungsfunktion kommt, meine Auszubildenden dahin begleiten, dass sie nachher als Geselle arbeiten können.
Tobias [00:20:16] Wie hast du dein eigenes Team im Blick, also wie sorgst du dafür, dass du eben auch deinen eigenen Mitarbeitenden sowas wie die Traumkarriere ermöglichst?
Mara [00:20:26] Ich glaube, dass ich meinem Team immer die Möglichkeit gebe, jederzeit zu mir kommen zu können. Also, dass wenn da irgendwo Probleme oder Schwierigkeiten sind, wissen sie, dass ich immer ein offenes Ohr auch für die habe und aber auch regelmäßig mit denen zu sprechen. So auch dahingehend, was ist dein Ziel, was möchtest du nachher vielleicht nach der Ausbildung, hast du den Weg vielleicht auch an die Meisterförderung zu gehen, einfach da zu schauen.
Ben [00:20:49] Das ist eine total befriedigende Aufgabe, finde ich. Ich habe das in meiner Laufbahn ja auch erlebt, dass man jemanden als Auszubildenden einstellt und dann so weiterträgt. Und am Ende ist das jetzt ein Abteilungsleiter, ein Meister und hat selber Mitarbeiter. Und das ist total schön zu sehen, wie sich die eigenen ehemaligen Auszubildenden weiterentwickeln und das Unternehmen so voranbringen. Mega spannend.
Tobias [00:21:14] Was mich schon interessieren würde ist, wie stellt ihr beide sicher, dass euch niemand durch die Lappen geht. Also weder ein Mitarbeiter, der vielleicht Unterstützung braucht, weil irgendwas gerade nicht gut funktioniert - oder einer, der vielleicht jetzt schon reif ist für den nächsten Schritt. - Mara.
Mara [00:21:31] Schwierig. Also klar habe ich immer meinen Blick darauf zu schauen, wie geht es denen, dass wir immer sprechen können, aber ich glaube es kommt sicherlich auch mal vor, dass man vielleicht nicht immer der erste Ansprechpartner ist in der Führungsposition, sondern dann vielleicht auch noch mal gegenseitig mit den Kollegen in der Ausbildung oder auch mit Freunden, aber auch dann trotzdem zu schauen dass es immer allen gut geht, dass sie mit dem was sie machen auch zufrieden sind und wenn ich sehe, irgendwas passt da nicht, dass ich dann auch wirklich offen auf sie zugehe.
Tobias [00:21:56] Ben, wie machst du das? Nicht nur mit der jeweiligen Abteilungsleitung zu sprechen, sondern auch im Team mit zu eruieren. Wer kann was? Wer muss vielleicht noch einen extra Kick kriegen?
Ben [00:22:07] Also ich muss ehrlich sagen, das Thema Mitarbeiter ist bei meinen Besprechungen immer ganz groß. Also es sind immer so 50% wirtschaftliche Kennziffern, die man so durchspricht und dann die andere Hälfte ist eben einfach das Personal, weil das die wichtigste Basis ist, um überhaupt erfolgreich arbeiten zu können. Das heißt, ich tausche mich mit den Leitungen sehr intensiv über die Mitarbeiter aus, über die Erfahrungen. Und wenn ich dann merke, da ist jemand dabei, der braucht vielleicht noch ein bisschen mehr Förderung - oder es ist jemand dabei, der schon wirklich auch das Potenzial zeigt, später in die Führung zu gehen, die möchte ich dringend selber kennenlernen. Und da setzt man sich mal zusammen, können wir uns nicht mal eine halbe Stunde unterhalten. Und dann sprechen wir und dann bekommt man schon einen ganz guten eigenen Eindruck und hält dann entsprechend seine Leute auch einfach im Blick über die Zeit. Wir fangen ja schon sehr früh an. Also es geht ja schon los, dass wir im zweiten Ausbildungsjahr ganz gezielt jeden Auszubildenden anschauen und auch Karrierewege vorstellen und auch da schon Vereinbarungen treffen, die vielleicht mal in drei, vier, fünf Jahren umgesetzt werden. Also da können wir ganz gut sicherstellen, dass wir da auch niemanden auf der Strecke verlieren.
Tobias [00:23:10] Naja, du hast 160 Mitarbeitende, deren Führungskraft du bist. Wie viele von denen kennst du persönlich?
Ben [00:23:18] Grenzen wir mal persönlich ein, also ich habe zu den meisten ein Gesicht. Ich kenne schon sehr viele, muss man sagen. Ja, ich kenne sehr viele. Aber schwierig wird es ja mal dann zu den Jahreswechseln, wenn dann neue Auszubildende mit dazukommen, die man dann erst mal irgendwann ein halbes Jahr später kennenlernt und so. Also, jeder mit dem ich mal ein Gespräch geführt habe, der bleibt mir auch natürlich im Gedächtnis. Meistens hat man aber dann doch irgendwo ein Gesicht zu dem Namen und hat sich schon mal irgendwo die Hand gegeben, ja, das schon. Aber der Kontakt ist natürlich nicht so intensiv, das ist ja kaum zu bewerkstelligen. Häufig ist es dann so, dass man sich dann eher mit den Hörakustikleitungen intensiv auseinandersetzt.
Tobias [00:23:56] Eine letzte Frage habe ich an euch beide, was wünscht ihr euch von euren Mitarbeitenden? Also was können die selbst aktiv tun, um sich weiterzuentwickeln? Weil jetzt also nur darauf warten, dass man bitte schön entdeckt wird oder gefördert wird, das ist ja sehr wahrscheinlich nicht genug, oder Mara?
Mara [00:24:11] Nee, das denke ich nicht. Also man muss schon den Anreiz von demjenigen auch merken und dass die wirklich auch offen auf einen zukommen, auch wenn man vielleicht sagt, oh, das ist mir vielleicht vorher gar nicht aufgefallen, dass derjenige Interesse hat, auch weiter in die Förderung zu gehen, dass er dann von sich aus auch kommt und sagt, ich würde gerne und das interessiert mich total und kannst du mich unterstützen, dann auch in dem Fall.
Tobias [00:24:30] Ja, also für mich ist ganz wichtig, dass jemand, der wirklich will, der soll auch zeigen, dass er will, ne? Also, wenn das Interesse da besteht, sich weiter zu entwickeln, dann muss da auch was Proaktives kommen und das kündige ich auch an, das bespricht man eben mit seinen Leuten auch. Ganz klar, wenn ihr weiterkommen wollt, ich spreche jetzt mal direkt so nach draußen, ja? Zeigt, dass ihr Lust habt, zeigt, dass ihr es wollt und gebt immer ein bisschen mehr, als man vielleicht erwartet. Und man nimmt mal eine Verantwortung, es kann ja sein, dass man sagt, ich biete mich mal proaktiv an, Mensch, kannst du mir nicht mal zeigen, wie die Kontrolle der Rezeptabrechnung funktioniert oder so. Also dass man im Kleinen anfängt, schon so Verantwortungsbereiche zu übernehmen und freiwillig und proaktiv und das sind so die richtigen Schritte, um Karriere zu machen. Und dann wirst du auch weitergetragen, das funktioniert.
Mara [00:25:14] Ja, das fand ich ganz schön, dass du jetzt gerade sagtest, so von sich aus kommen, kann ich vielleicht das und das mal machen? Kann ich dir da mal über die Schulter schauen, um einfach zu signalisieren, ich möchte das, ich möchte weiterkommen.
Tobias [00:25:22] Ja, ich glaube, ganz wichtige Tipps nochmal zum Abschluss. Mara, Ben, hat großen Spaß gemacht. Schön, dass ihr da wart. Danke.
Mara [00:25:29] Danke.
Ben [00:25:29] Ja, vielen Dank.
Tobias [00:25:30] Vielleicht war ja auch für den einen oder anderen von euch da draußen ein Gedanke dabei, den ihr spannend findet und den ihr aufgreifen könnt, wenn ihr an eure eigene berufliche Zukunft denkt. Wenn ihr überlegt, was will ich erreichen? Was muss ich dafür tun? Wo liegen meine Stärken und werden diese auch entdeckt und genutzt? Das ist schließlich eine Grundvoraussetzung. Um seine eigenen Ziele auch umzusetzen, dass man auch gesehen und gefördert wird. Darüber sprechen wir ein anderes Mal weiter, hier bei Hearing Connects, dem Hörakustik-Podcast von Fielmann. Bis es soweit ist, danke ich euch erst mal fürs Zuhören. Empfehlt uns gerne weiter. Hearing Connect's kommt alle zwei Wochen überall dort, wo es Podcasts gibt. Und ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder dabei seid. Mein Name ist Tobias Plöger. Viele Grüße an euch alle und wir hören uns.
Station voice [00:26:16] Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Hearing Connects. Ihr wollt gutes Hören möglich machen? Dann kommt in unser Team. Mehr auf career.fielmann.com