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#8 Drei Lernorte, ein Beruf: Die Ausbildung in der Hörakustik

Von zwölf Kilogramm schweren Hörgeräten bis zu modernen Hörsystemen, die sich mit Smartphones koppeln lassen – die Entwicklung der Hörakustik ist beeindruckend. Doch nicht nur die Technik hat sich verändert. Auch der Beruf selbst hat sich weiterentwickelt und stellt heute ganz andere Anforderungen an Fachkräfte.

In dieser Folge von Hearing Connects sprechen wir über den Weg in die Hörakustik. Tobias Plöger trifft Anton Spira, der gerade seine Ausbildung zum Hörakustiker abschließt und zuvor in der Schokoladenindustrie gearbeitet hat. Warum er den Beruf gewechselt hat, wie die Ausbildung aufgebaut ist und was ihn im Berufsalltag besonders begeistert, erzählt er im Gespräch.

Außerdem dabei: Hörakustikmeisterin Manuela Vesely, Fachtrainerin in der Lehrwerkstatt der Fielmann Akademie Schloss Plön. Sie begleitet seit Jahrzehnten die Ausbildung in der Hörakustik und berichtet, wie sich Technik, Anforderungen und Lerninhalte verändert haben. Gemeinsam werfen sie einen Blick auf die Ausbildung, den Alltag im Hörakustik-Studio und darauf, was diesen Beruf für viele Menschen so besonders macht.

Station Voice [00:00:01] Willkommen bei Hearing Connects, dem Podcast für Hörakustik von Fielmann. 

Tobias [00:00:15] Menschen, die schlecht hören, die gab es ja schon immer. Die erste Hörhilfe wurde aber erst im 17. Jahrhundert erfunden. Das sogenannte Hörrohr. Im Grunde war das nichts anderes als ein Trichter, den man sich ins Ohr gesteckt hat. Und wenn dort jemand gezielt reingesprochen hat, dann wurden die Schallwellen eben eingefangen und fokussiert direkt ins Ohren geleitet, was immerhin den Ton um 20 bis 40 Dezibel verstärkt hat. Das erste elektrische Hörgerät wurde erst 1898 erfunden und hatte sofort eine royale Benutzerin. Königin Alexandra von England gehörte zu den ersten Kunden. Und das, obwohl das erste elektrische Hörgerät, ja jetzt kommt's, zwölf Kilogramm gewogen hat. Ein modernes Hörsystem heute wiegt weniger als 40 Gramm. Ist wirklich Wahnsinn, was das für eine Entwicklung war in den letzten Jahrzehnten. Und darüber - und noch viel mehr - wollen wir heute sprechen. Zum Beispiel über die sich verändernde Ausbildung zum Hörakustiker. Das machen wir hier bei Hearing Connects. Mein Name ist Tobias Plöger und ich freue mich, dass ihr dabei seid. Heute habe ich zwei ganz interessante Gäste. Der Erste ist im Grunde noch ziemlich neu in der Hörakustik und beendet gerade seine Ausbildung. Anton Spierer, herzlich willkommen. 

Anton Spira [00:01:28] Guten Tag. 

Tobias [00:01:28] Hallo. Anton, du hast eigentlich den Beruf des Süßwarentechnologen in der Schoko-Branche erlernt. Du saßt also eigentlich direkt an der Süßigkeitenquelle und trotzdem hast du den Beruf gewechselt. Was ist da passiert? 

Anton Spira [00:01:40] Ja genau, im ersten Moment hört sich das alles immer ganz nett und ganz toll an, aber es sind so mehrere Faktoren, die mir dann irgendwann nicht mehr so zugesagt haben. Zum einen ist das mit Schichtarbeit verbunden, heißt: man hat früh, spät und nachts schichten, das auch im ständigen Wechsel, was mir dann auf die Substanz gegangen ist, sage ich mal. Ich hatte Schlafprobleme, einen starken Tinnitus durch den ständige Lärm in der Halle und, so doof wie das jetzt auch klingt, die Mitarbeiter, die da irgendwie 40 Jahre alt waren, sahen schon aus wie 60. Durch diese Schichtarbeit. Da dachte ich mir irgendwann, das ist nicht mein erklärtes Ziel und habe mich dann mal ein bisschen schlau gemacht, was es da noch so anderes gibt für eine Ausbildung. 

Tobias [00:02:16] Aber wie bist du denn dann auf die Höherakustik gestoßen? Das ist ja jetzt nicht das, was einem als allererstes in den Sinn kommt. 

Anton Spira [00:02:22] Nee, ganz einfach war das über das Internet. Ich hatte mal so ein bisschen nachgeschaut, auch jetzt wegen des Tinnitus, was es da so zu machen gibt, zu tun gibt. Und dann kam ich irgendwie auf den Beruf Hörakustiker. Hab mir das durchgelesen und hat mich direkt angesprochen, direkt gefesselt. 

Tobias [00:02:36] Klingt klasse! Worüber wir mit dir sprechen wollen, ist die Ausbildung selbst, denn gerade in diesen Monaten überlegen ja viele, die im Sommer die Schule beenden, was danach spannend für sie sein könnte, wo der Weg hingehen kann, bei dem, was sie in den nächsten 40 Jahren fast jeden Tag tun werden und tun wollen und auch Spaß bei der Arbeit haben müssen. Und der Beruf des Akustikers ist ja allemal total spannend und vielseitig. Wie läuft das in der Ausbildung? Wie teilt die sich auf? 

Anton Spira [00:03:01] Genau, man hat einen gewissen Anteil an Berufsschulblöcken, das ist dann blockweise, ist man drei, vier Wochen in der Berufsschuhe, die ist in Lübeck, gibt es auch nur eine einzige in ganz Deutschland und den Rest ist man dann in der Niederlassung oder in der Fiale im Fachgeschäft und arbeitet da am Kunden. 

Tobias [00:03:16] Du hast es gerade gesagt, neben der Berufsschule lernst du auch in deinem eigenen Akustikstudio. Wann hattest du im Rahmen deiner Ausbildung dein erstes eigenes Gespräch mit einem Kunden? 

Anton Spira [00:03:27] Das war schon relativ früh, ich denke mal so nach der zweiten, dritten Woche war das schon, wo ich so trotzdem unter Aufsicht von meinem Kollegen, von dem Gesellen... Aber trotzdem wurde ich dann so alleine da zugelassen, sag ich mal. 

Tobias [00:03:40] Das ist echt früh. Ist dir das schwergefallen, anfangs eher zuzuschauen und dann plötzlich ins kalte Wasser geschmissen zu werden? 

Anton Spira [00:03:46] Ja, es geht. Also am Anfang, so die ersten zwei Wochen, fand ich, ja, ist das noch so ein bisschen was Neues, was zum Kennenlernen... Aber dann irgendwann, sage ich mal, hat es schon so in den Fingern gekribbelt. Da dachte man so: Jetzt will ich auch mal selber zeigen, was ich kann und das dann unter Beweis stellen. 

Tobias [00:04:00] Du hast es eben schon kurz angesprochen. Du gehst auch auf die Berufsschule, immer blockweise, und es gibt nur eine einzige Berufssschule für Hörakustiker in ganz Deutschland, in Lübeck. Seit Jahrzehnten gehen da alle Akustiker-Azubis hin, egal ob sie aus Bayern, aus Thüringen oder sonst woher kommen. Wie war das für dich? 

Anton Spira [00:04:18] Ja, für mich war das eigentlich nichts Neues, weil, wie schon angesprochen, die vorherige Ausbildung, das war auch ein Internat und da war ich dann auch mal blöckeweise weg und für mich war das nichts Neues. Das Gute ist, ich bin dicht an zu Hause dran, ich kann immer am Wochenende nach Hause fahren und die Leute, die man da kennenlernt, die sind auch nicht so verkehrt. 

Tobias [00:04:36] Du kommst aus Hamburg, das ist nur knapp 70 Kilometer von Lübeck entfernt, aber wie müssen wir uns dieses Internatsleben vorstellen? So ein bisschen wie Harry Potter, oder? 

Anton Spira [00:04:45] Ja, man kann sich das vorstellen, wie so eine große Klassenfahrt. Am ersten Tag kommt man da an und dann lernt man dann erst mal seinen Zimmerpartner, seine Zimmerpartnerin kennen. Dann gibt es am nächsten Morgen eine große Versammlung in der Aula. Und dann wird man seiner Klasse zugewiesen. Und dann hat man direkt so die ersten Leute, die man dann schon irgendwie sich gemerkt hat. Und dann ist das eigentlich immer ganz ein Selbstläufer. Dann trifft man sich abends mal für Spiele oder so. Das ist immer ganz, ganz witzig. 

Tobias [00:05:09] Das klingt aber schon so ein bisschen wie Hogwarts. 

Anton Spira [00:05:11] Ja, das stimmt.

Tobias [00:05:12] Und mal ganz ehrlich: Mehr Party oder mehr Lernen? 

Anton Spira [00:05:17] In den ersten Blöcken, bin ich ganz ehrlich, war es bei mir ein bisschen mehr Party. Aber wenn es dann so Richtung Zwischenprüfung, Gesellenprüfungen geht, muss man dann auch mal sich am Riemen reißen und sagen: Komm, jetzt wird mal ein bisschen gelernt. Spaß hatten wir genug, aber wir wollen ja auch alle die Ausbildung bestehen. Und da denke ich mir, da wird ein bisschen gelernt. Das schadet auch nicht. 

Tobias [00:05:35] Was mir gerade einfällt, wenn ihr da zusammen im Internat lebt, in der Berufsschule in Lübeck, dann entstehen da ja auch hohe Kosten. Wer übernimmt die? Musst du das machen oder macht das der Arbeitgeber? 

Anton Spira [00:05:45] Nee, das macht Fielmann. Die übernehmen alle Kosten, die Organisation. Das macht alles der Arbeitgeber bei uns. 

Tobias [00:05:51] Anton, wir sprechen gleich weiter. Vorher möchte ich Manuela Vesely begrüßen. Die kennt die Berufsschule Lübeck ganz genau, denn natürlich ist auch sie dort gewesen. Heute ist Manuela Vesely Hörakustiker-Meisterin und Fachtrainerin in der Lehrwerkstatt der Fielmann Akademie Schloss Plön. Grüß dich, Manuela. 

Manuela Vesely  [00:06:07] Hallo. Moin. 

Tobias [00:06:08] Was ist deine schönste Erinnerung an deiner Ausbildungszeit? 

Manuela Vesely [00:06:12] Die schönste Erinnerung an meine Ausbildungszeit ist, ganz neue Leute zu treffen, ganz spannende Technik kennenzulernen, das war für mich ein großer Schritt. Also ich habe ja nicht grundständig die Hörakustik gelernt, sondern meine Ausbildung ist ja eine andere, Logopädie. 

Tobias [00:06:31] Du bist auch Quereinsteigerin? 

Manuela Vesely [00:06:33] Ja, sozusagen. Also ich hab in Jena studiert und das ist ein Studium, das gibt es jetzt nicht mehr. Das vereint die Logopädin, den Hörakustiker und die Audiologieassistentin. 

Tobias [00:06:44] Und wann hast du deine Ausbildung zur Hörakustikerin abgeschlossen? 

Manuela Vesely [00:06:47] Das war eine Weiterbildung im Prinzip. Das war 1990, da habe ich meinen ersten Kurs in Lübeck besucht bei der Akademie für Hörakustik, die ja mit der Landesberufsschule unter einem Dach ist. Und in der Akademie für Höhrakustika haben wir ganz nette Dozenten kennengelernt, die uns an die neue Technik herangeführt haben. Ich bin ja in der ehemaligen DDR groß geworden und da gab es keine so große Vielfalt an Hörsystemen oder Hörgeräten, wie man damals noch sagte. Da gab es drei, vier, auch ein eigenes Werk, was in der DDR war, das Funkwerk Kölleda, das hat Hörsysteme produziert und in den Unikliniken wurden dann auch Hörssysteme von Oticon, das ist ein dänischer Hersteller, an den Mann und die Frau gebracht, aber das war es auch schon mit der Auswahl. 

Tobias [00:07:35] Ich habe ja auch gerade am Anfang ein bisschen erzählt, seit wann es Hörgeräte überhaupt erst gibt und wie viel Entwicklung da in den letzten Jahrzehnten allein drin war. Du begleitest die Hörakustik jetzt seit 35 Jahren. Wie haben sich Hörsysteme in dieser Zeit entwickelt? 

Manuela Vesely [00:07:49] Ja, also die Hörsysteme von meiner Ausbildungszeit konnten eingestellt werden in der Tonhöhe, also an den Hörbedarf des Kunden in der Tonhöhe und in der Lautstärke und in dem, was so maximal so ein Hörsystem in lauter Umgebung abgibt. Ausgangsschalldruck, sagt man dazu, das war es auch schon. Und 1996 ist dann die Digitalisierung in der Hörakustik angekommen, da gab es dann so Tools wie Störgeräuschreduzierung oder auch ein Richtmikrofon. Und inzwischen kann man Hörsysteme tatsächlich mit einem Smartphone vergleichen in seiner Vielseitigkeit. Also es ist Bluetooth-fähig, ich kann es Koppeln an Audioadapter für TV und für Hi-Fi-Anlagen. 

Tobias [00:08:34] Hm, ist schon ganz schön krass, was da alles passiert ist, ne? 

Manuela Vesely [00:08:37] Und vor allen Dingen Miniaturisierung, das ist das Problem, also das Schöne auch für den Kunden. 

Tobias [00:08:42] Bist du selbst mit den Veränderungen immer gut mitgekommen, mal ganz ehrlich? 

Manuela Vesely [00:08:46] Ja, also die Weiterbildung, Messebesuche, das war in den Firmen, in denen ich gearbeitet habe, eigentlich selbstverständlich und das war super. 

Tobias [00:08:54] Nicht allein die Hörgeräte haben sich verändert. Hat sich eigentlich dann auch der Beruf des Hörakustikers geändert? 

Manuela Vesely [00:08:59] Ja, hat sich sehr verändert. Man muss wirklich breit aufgestellt sein und eine größere Empathie, finde ich, noch mitbringen, weil die Bedürfnisse der Kunden sich auch verändert haben. Als ich gestartet habe, da war es der Anspruch an ein Hörsystem: Ich möchte Gespräche besser verstehen. Heute ist der Anspruch ein höheres System: Ich möchte mit meinem Telefon gekoppelt sein, ich möchte Musik streamen, ich möchten auch in großen Gesellschaften super gut verstehen. Ja, so wie ein Normal-Hörender eben auch. 

Tobias [00:09:32] Anton, was würdest du sagen? Was sind deine größten Herausforderungen im beruflichen Alltag? Was musst du am besten draufhaben, um gut klarzukommen bei der Arbeit? 

Anton Spira [00:09:42] Ich sage immer so ein gewisses Maß zwischen dem Menschen verstehen und die Technik aber auch verstehen. Weil der Mensch kommt und sagt, ich habe das und das Problem, aber die Technik kann nur das und das hergeben. Und da muss man dann so einen gewissen Grad finden, wie man das dem Kunden dann am besten einstellt oder erklärt, dass das nicht möglich ist. Das ist so eine große Herausforderung, die dann da so auf mich zukommt. 

Tobias [00:10:03] Was macht dir am meisten Spaß im Berufsalltag? Ist es das Gespräch oder ist es eher das Frickeln mit der Technik? 

Anton Spira [00:10:09] Ja, beides so ein bisschen. Also ich mag das schon ganz gerne, einfach den Umgang mit Menschen. Vor allem, weil ja auch jeder Kunde unterschiedlich ist. Jeder hätte gerne ein anderes Hörgerät. Jeder hat andere Vorstellungen. Und dann kommt aber auch der Technikaspekt dazu, dass man da so ein bisschen rummeistern kann, rumfriggeln kann. Das macht schon echt Spaß. 

Tobias [00:10:27] Was muss ein guter Auszubildender der Hörakustik heute mitbringen, um erfolgreich zu sein? 

Manuela Vesely [00:10:31] Auf jeden Fall muss er empathisch sein, mindestens einen Realschulabschuss haben, Interesse an Naturwissenschaften, Physik - und wichtig ist auch, dass mindestens eine B2 Deutschkenntnis vorhanden ist. Das verlangt auch die Berufsschule, die Landesberufsschule ist Zugangsbedingung, um dort lernen zu können. 

Tobias [00:10:53] Und man hat natürlich auch den ganzen Tag Umgang mit sehr, sehr vielen, sehr unterschiedlichen Kunden. Kann man sagen, man muss auch Menschen mögen? 

Manuela Vesely [00:11:00] Ja, man muss auf jeden Fall Menschen mögen und man muss irgendwann sich trauen, auf Menschen zugehen zu können. Irgendwann platzt der Knoten. Ich kann mich an meine Anfangszeiten erinnern, ich bin unwahrscheinlich ungern ans Telefon gegangen und irgendwann ist der Knoten geplatzt und das lernt jeder Hörakustikauszubildender im Laufe seiner... ja... im ersten halben Jahr. 

Tobias [00:11:25] Nun hast du eben schon gesagt, die Systeme haben sich verändert, das Berufsbild hat sich verändert. Man hört auch immer wieder, die Akustiker selbst haben sich ein Stück weit verändert, sind nicht mehr so wie vor 20 Jahren. Das heißt, was müsst ihr als Ausbilder denn tun, um trotzdem dafür zu sorgen, dass die Ausbildungsziele erreicht werden? 

Manuela Vesely [00:11:45] Also wir müssen eine ganze Menge Allgemeinbildung nachholen, also in den allgemeinbildenden Schulen fällt viel Unterricht aus, es kommt ja auch immer darauf an, aus welchem Bundesland die Auszubildenden zu uns in die Lehrwerkstatt kommen. Da sind die Lehrpläne total unterschiedlich und unsere Aufgabe ist es tatsächlich, die möglichst auf ein Niveau zu heben. Das ist übrigens auch eine große Herausforderung für die Landesberufsschule, die stehen ja da vor derselben Herausforderung. Und die Lese- und Schreibfähigkeit, die hat sich total gewandelt, also ist schlechter geworden. Wir sind dazu übergegangen, dass bestimmte Sachen nicht mehr abgeschrieben werden, sondern dass wir Skripte ausdrucken zu unseren Lehrinhalten und die Auszubildenden tatsächlich so eine Art Lückentext ausfüllen, dass sie nicht mehr so viel schreiben, weil diese Kompetenz einfach nicht mehr da ist.

Tobias [00:12:37] Aber um dazu zu helfen, gibt es ja glücklicherweise dann Fachtrainer wie dich und die Fielmann-Akademie Schloss Plön als eben zusätzliche Qualifizierungsstätte. Anton, wie hast du damals zum ersten Mal den Besuch auf der Akademie Plön erlebt? 

Anton Spira [00:12:52] Wow... Und große Augen habe ich gemacht. Also es war wirklich ein unglaubliches Gefühl, da diesen Berg hoch zu kommen und dann da so ein riesen Schloss vor einen stehen zu sehen - und dann auch dann im Endeffekt reinzugehen. Es hat schon irgendwas mit einem gemacht. Ja, das hat mich sehr überwältigt. 

Tobias [00:13:07] Und was lernst du dort, was du nicht an der Berufsschule oder in deiner Niederlassung lernst? 

Anton Spira [00:13:12] Also praxisnähere Aufgaben. 

Tobias [00:13:15] Kannst du das ein bisschen konkreter machen? 

Anton Spira [00:13:17] Zum Beispiel das Abformen von einem Ohr oder die Normmessung. Da wird sowas nochmal konkret geschult. Das Fräsen von Operpaarstücken. 

Tobias [00:13:26] Das sind handwerkliche Dinge. Manuela, du als Ausbilderin von Akustikern: Wie trainiert ihr denn in der Akademie Schloss Plön die Kundenberatung? Wie könnt ihr da dem jungen Azubi helfen? 

Manuela Vesely [00:13:35] Ja, die Kundenberatung läuft quasi über die Fachtrainings-Abteilung, das ist nochmal ein zweiter Schuh, sag ich jetzt mal. Da wird die kundenorientierte Beratung vermittelt und wir sind so in der Lehrwerkstatt dafür zuständig, eher so die technische Expertise zu entwickeln bei den Auszubildenden. Das heißt, wir machen einen Hörtest, die Auszubildenden erlernen alle Skills, die nötig sind, um einen wirklich umfassenden Hörtest und einen... als Grundlage für die Hörsystemanpassung... zu machen... und daraufhin die Technik so einzustellen und am Ohr auch nachzumessen, wie ein Hörssystem arbeitet. 

Tobias [00:14:15] Kommen eigentlich auch erfahrene Hörakustiker zu euch? 

Manuela Vesely [00:14:18] Erfahrene Hörakustiker... ja. Im Bereich des Fachtrainings. Die in anderen Firmen gearbeitet haben und dann zu Fielmann gewechselt sind, die bekommen natürlich eine Einweisung in die Messtechnik, weil jeder Betrieb eine andere Messtechennik zu Hause im Betrieb hat und dann werden die mit unserer Messtehnik vertraut gemacht und natürlich auch mit der Art und Weise, wie wir gerne unsere Kunden betreut haben möchten. 

Tobias [00:14:43] Anton, ich möchte heute mit dir enden. Du machst jetzt deine Abschlussprüfung demnächst. Worauf wirst du gerade von der Berufsschule vorbereitet? Worauf wirst du von der Niederlassung vorbereitet und was kann dann im Grunde  nur so was wie die Akademie Schloss Plön dir beibringen? 

Anton Spira [00:14:58] Also in der Schule werde ich, sage ich mal so, nur nur auf das Nötigste vorbereitet, also was die Schule mir zur Verfügung gestellt hat. In der Niederlassung werde ich halt einfach darauf vorbereitet für das Praxisnahe, also wie gehe ich mit dem Kunden um, das Anpassgespräch, wie mache ich einen Hörtest...? Sowas lerne ich in der Niderlassung oder werde ich darauf vorbereit. Und Plön bereitet mich noch mal extra auf beides zusammen vor, sag ich mal. Also wir haben noch mal so ein Praxistraining vor der praktischen Prüfung. Da wird auch noch mal abgeformt, gefräst, dass wir da noch mal richtig fit sind. Und wir haben nochmal so ein Online-Seminar. Das ist ein paar Wochen vor der theoretischen Gesellenprüfung, wo auch noch einmal eine Woche komplett der ganze Stoff aus den drei Jahren durchgegangen wird, dass wir auch richtig fit für die Prüfungen gemacht werden. 

Tobias [00:15:42] Manuela, ist das dann mal so was wie so ein Last-Minute-Powerkurs? 

Manuela Vesely [00:15:44] Genau, es ist ein Last-Minute-Powerkurs, den wir anbieten. Wir Ausbilder vermitteln ja alle theoretischen Lerninhalte, alle Berufsschulfächer, in denen müssen wir fit sein. Und das gehen wir mit den Auszubildenden nochmal durch. 

Tobias [00:15:59] Klasse, tolle Sache. Bist du aufgeregt vor der Prüfung, Anton? 

Anton Spira [00:16:02] Also vor der Theoretischen nicht, aber vor der Praktischen ein bisschen, ja. 

Tobias [00:16:05] Wie geht's nach der Prüfung für dich weiter? 

Anton Spira [00:16:06] Ich bleibe bei Fielmann. Ich werde hier in Hamburg in einer Niederlastung übernommen. Und dann hatte ich eigentlich vor ein bisschen Praxisjahre als Geselle zu sammeln. Und danach strebe ich den Meister an. 

Tobias [00:16:19] Eine Sache fällt mir gerade noch ein. Was lernst du von deinen erfahreneren und älteren Kolleginnen und Kollegen, was dir weder die Berufsschule noch die Lehrwerkstatt beibringen kann? 

Anton Spira [00:16:31] Das Umgehen oder der Umgang allgemein mit schwierigeren Kunden, die jetzt nicht so der typische Kunde sind, die sagen: Ja ich hätte das und das und fertig  ist... Sondern die ein bisschen extra sind, sage ich mal, die ein bisschen höhere Ansprüche haben und dann lernt man so durch die Kollegen so ein bisschen das zu handeln und wie man damit umzugehen hat. Von denen kann man sich so viel... davon ganz viel abschauen. 

Tobias [00:16:51] Würdest du sagen, du hast da schon eine richtige Entwicklung gemacht in den letzten Jahren? 

Anton Spira [00:16:55] Ja, auf jeden Fall. Das denke ich schon. 

Tobias [00:16:56] Kannst du uns mal so ein kleines Beispiel geben, was für dich im Berufsalltag zum Beispiel eine Herausforderung sein kann? 

Anton Spira [00:17:01] Genau, also normalerweise ist das ja so, die Kunden, die zu einem kommen, haben ja in der ersten Linie gar keine Lust auf mich oder auf den Akustiker. Aber dann am Ende der Anpassung so ein glückliches Gesicht zu sehen oder dass die im Ende sagen: Ach doch, das hat mir doch alles ganz gut gefallen... Das macht mich doch wirklich sehr glücklich am Ende. 

Tobias [00:17:18] Hast du dich denn auch als Mensch in dieser Zeit als Akustiker verändert? 

Anton Spira [00:17:22] Ja, auf jeden Fall, also das zugehen, das direkte zugehen auf die Menschen, fällt mir definitiv leichter, weil man halt ständig Menschenkontakt hat und da muss ich sagen, das ist mir schon einfacher und besser gelungen. 

Tobias [00:17:34] Das ist schon eine krasse Entwicklung, die du gemacht hast, Anton. Erst früher alleine an der Maschine in einer großen Halle im Schichtbetrieb gestanden und Knöpfe gedrückt. Jetzt über Spitz gesagt. - Und jetzt eine empathische, technisch super geschulte Vertrauensperson, die Menschen wirklich hilft, ihr Leben besser zu meistern. 

Anton Spira [00:17:51] Ja, doch, das finde ich auch und das macht mich auch immer sehr, sehr glücklich, die Menschen dann am Ende der Anpassung mit einem Lächeln daraus gehen zu sehen. Das freut mich immer sehr. 

Tobias [00:18:00] Schön, dass du da warst, Anton. Vielen Dank. 

Anton Spira [00:18:02] Sehr gerne doch. 

Tobias [00:18:02] Und auch dir, Manuela, ganz herzlichen Dank für deinen Besuch im Studio. 

Manuela Vesely [00:18:05] Sehr, sehr gern! 

Tobias [00:18:06] Und beim nächsten Mal haben wir auch einen wirklich interessanten Gast, einen ehemaligen Top-DJ, der plötzlich am Mischpult eine schockierende Hörerfahrung gemacht hat, die sein Leben verändert hat. Auflegen kann er seitdem leider nicht mehr. Aber was der daraus gemacht hat und wie er jedem Hörakustiker der Branche mit dem, was er inzwischen tut, unglaublich hilft, das hört ihr demnächst hier bei uns. So viel für heute. Wenn es euch gefallen hat, sagt es euren Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich freuen wir uns auch über euer Feedback, Bald machen wir eine ganze Folge mit dem, was ihr uns alles bereits jetzt geschrieben und erzählt habt. Mit euren Erlebnissen in eurem Berufsalltag. Mit den Momenten, die ihr nicht vergessen könnt. Den Momenten in denen ihr gemerkt habt: Mensch, das, was ich hier mache, das ist wichtig und das ist richtig. - Vielleicht fällt euch da ja auch gerade noch was zu ein. Dann schreibt uns bitte an podcast@fielmann.com. Mein Name ist Tobias Plöger. Danke euch für eure Zeit und bis zum nächsten Mal, Wir hören uns.

Station Voice [00:19:05] Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal bei Hearing Connects. Ihr wollt gutes Hören möglich machen? Dann kommt in unser Team. Mehr auf career.Fielmann.com 

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